Ein plötzlicher Stromausfall hat gestern Abend den gesamten Berliner Bezirk Zehlendorf in Dunkelheit getaucht. Gegen 19:30 Uhr fielen in rund 47.000 Haushalten die Lichter aus. Nach Angaben der Berliner Netze GmbH führte ein technischer Defekt im Umspannwerk Zehlendorf zur weiträumigen Unterbrechung der Stromversorgung. Bei Temperaturen von minus 12 Grad standen viele Anwohner plötzlich ohne Heizung da.
«Die Situation war beängstigend», erzählt Anwohnerin Maria Schmidt (67). «Ich konnte nicht einmal meine Medikamente finden.» In zahlreichen Supermärkten mussten Kunden ihre Einkäufe zurücklassen. Besonders dramatisch war die Lage im Kleinmachnow-Klinikum, wo Notgeneratoren ansprangen, aber nur die lebenswichtigen Stationen versorgen konnten. Chefarzt Dr. Michael Werner berichtete: «Wir mussten binnen Minuten entscheiden, welche Bereiche Priorität haben.»
Die Feuerwehr richtete in drei Schulen beheizte Notunterkünfte ein. Als ich gegen 21 Uhr in der Turnhalle des Paul-Natorp-Gymnasiums eintraf, drängten sich dort bereits über 200 Menschen. Auffällig war die Hilfsbereitschaft der Anwohner: Wer einen Gaskocher besaß, kochte Tee für die Nachbarschaft.
Obwohl die Techniker unter Hochdruck arbeiteten, dauerte es bis 3:20 Uhr morgens, bis die Versorgung wiederhergestellt war. Laut Berlins Innensenatorin Fischer zeigt der Vorfall die Verletzlichkeit kritischer Infrastruktur. «Wir werden die Notstromversorgung öffentlicher Einrichtungen überprüfen müssen», kündigte sie an.
Für die kommenden Tage sind weitere Minustemperaturen vorhergesagt. Die Frage bleibt: Wie gut ist Berlin auf den nächsten Blackout vorbereitet? Nach meinen Recherchen vor Ort: bestenfalls mittelmäßig.