Ein Stromausfall hat am Montag 85 Haushalte in München-Harlaching für mehr als 20 Stunden im Dunkeln sitzen lassen. Die Anwohner der Karl-Theodor-Straße mussten von Montagvormittag bis Dienstagmorgen ohne Elektrizität auskommen – ein Ausfall, der selbst für Großstadtverhältnisse ungewöhnlich lang ausfiel.
«Als der Strom weg war, dachte ich erst an eine kurze Störung», erzählt Anwohnerin Heike Müller. «Nach fünf Stunden wurde klar: Das wird eine lange Nacht.» Laut den Stadtwerken München hatte ein Kabelfehler im Erdreich den Ausfall verursacht. Die Reparaturarbeiten gestalteten sich schwieriger als erwartet.
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich selten erlebt, wie abhängig wir von funktionierender Infrastruktur sind. Während die meisten Betroffenen improvisieren konnten, traf es ältere Menschen besonders hart. «Meine 82-jährige Nachbarin saß im siebten Stock ohne Aufzug fest», berichtet Student Julian Berger. Die Stadtwerke richteten einen Notdienst ein und verteilten Taschenlampen.
Die Häufigkeit solcher Störungen nimmt zu. Statistiken des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zeigen, dass die Belastung des Stromnetzes durch neue Verbraucher wie Wärmepumpen und E-Autos steigt. Die durchschnittliche Ausfallzeit pro Haushalt lag 2023 bei nur 12,2 Minuten – ein Wert, der in der Karl-Theodor-Straße nun deutlich überschritten wurde.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, wie verletzlich unsere moderne Lebensweise ist. Während die Stadtwerke an einer Aufarbeitung arbeiten, wächst bei manchen Anwohnern das Bewusstsein für eigene Notfallvorsorge. Vielleicht braucht es solche Ereignisse, um uns an die Fragilität unserer vernetzten Welt zu erinnern.