Die Januarkälte hat Sachsen-Anhalt fest im Griff. Seit gestern Abend kämpfen Menschen und Behörden mit glatten Straßen und einer bedrohlichen Schneedecke. In Halle messen Wetterdienste heute früh bereits 14 Zentimeter Neuschnee, während Sturmtief «Elli» weiter Flocken über das Bundesland wirbelt. Die Verkehrslage ist vielerorts kritisch.
Auf den Autobahnen A14 und A2 kommt es zu erheblichen Behinderungen. «Wir arbeiten seit Mitternacht im Dauereinsatz», berichtet mir ein sichtlich erschöpfter Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Magdeburg. Die Räumfahrzeuge kommen kaum hinterher, viele Lastwagen stehen quer. Bei Irxleben hat sich auf der A2 ein kilometerlanger Stau gebildet.
Auch der öffentliche Nahverkehr ist stark eingeschränkt. In Magdeburg fahren Straßenbahnen nur noch auf wenigen Hauptstrecken. «Unsere Busse schaffen es nicht in die höheren Lagen der Stadt», erklärt die Pressesprecherin der Magdeburger Verkehrsbetriebe.
Besonders dramatisch die Situation für Schulkinder: In sieben Landkreisen fällt der Unterricht komplett aus. Halberstadt, Magdeburg und Dessau haben den Schulbetrieb eingestellt. Vor Ort habe ich mit Eltern gesprochen, die kurzfristig Betreuungslösungen finden mussten. «Mein Chef hat zum Glück Verständnis, aber das kann ja nicht ewig so weitergehen», seufzt eine Mutter vor der geschlossenen Grundschule in Haldensleben.
Die Kliniken melden unterdessen eine steigende Zahl an Verletzungen durch Stürze. Das Carl-von-Basedow-Klinikum in Merseburg behandelte seit gestern Abend über 40 Menschen mit Knochenbrüchen und Prellungen.
Der Wetterdienst verspricht keine schnelle Besserung. Bis morgen sollen weitere 10 Zentimeter Schnee fallen, danach droht bei steigenden Temperaturen Eisregen. Ich erinnere mich an den Winter 2010 – damals lag Sachsen-Anhalt fast eine Woche lang lahm. Momentan sieht es nach einer ähnlichen Situation aus.
Was bleibt, ist der Appell der Behörden: Wer nicht unbedingt raus muss, sollte zu Hause bleiben. Wie lange der Winterspuk anhält, ist noch unklar. Aber eins ist gewiss: Die Schönheit der verschneiten Landschaft können die wenigsten momentan genießen.