Die Debatte um das geplante Stuttgart-Sign erhitzt weiter die Gemüter in der Landeshauptstadt. 470.000 Euro sollen für die überdimensionalen Buchstaben am Hauptbahnhof ausgegeben werden. Eine Summe, die Experten unterschiedlich bewerten. Stadtmarketing-Spezialistin Dr. Maren Schmidt bezeichnet das Vorhaben als «sinnvolle Investition in die Außenwirkung der Stadt», während die Bezirke zeitgleich um jeden Euro kämpfen müssen.
In meinen zwanzig Jahren als Journalistin habe ich selten erlebt, dass ein Stadtmarketingprojekt so kontrovers diskutiert wurde. Dabei sind solche Installationen längst internationaler Standard – ob «I amsterdam» oder das Hollywood-Sign. Stuttgarts OB Frank Nopper verteidigt die Kosten: «Wir müssen als Landeshauptstadt sichtbarer werden und klotzen statt kleckern.»
Der Steuerzahlerbund hingegen kritisiert das Projekt als «verzichtbar in Zeiten knapper Kassen». Interessanterweise zeigen Studien aus vergleichbaren Projekten in Düsseldorf, dass solche Attraktionen jährlich bis zu 100.000 zusätzliche Selfie-Touristen anlocken können. Die Buchstaben sollen demnächst am Arnulf-Klett-Platz installiert werden – genau dort, wo ich oft Menschen ratlos nach Sehenswürdigkeiten suchen sehe.
Die entscheidende Frage bleibt: Rechtfertigt der mögliche Imagegewinn tatsächlich diese Ausgabe? In einer Stadt, deren Bürger zunehmend unter Wohnungsnot und steigenden Lebenshaltungskosten leiden, ist diese Debatte mehr als eine Frage des Geschmacks. Sie spiegelt unser grundsätzliches Verständnis davon wider, wofür eine Kommune ihr Geld ausgeben sollte.