Die Lerchenstraße in Hamburg bremst jetzt ab: Seit Dienstag gilt hier plötzlich Tempo 30. An einer der wichtigsten Verkehrsadern der Innenstadt müssen Autofahrer nun deutlich langsamer fahren. Nach Angaben der Verkehrsbehörde betrifft die neue Regelung den gesamten Abschnitt zwischen Sievekingsplatz und Hammer Steindamm – eine Strecke, die täglich von über 20.000 Fahrzeugen befahren wird.
Die Schilder wurden ohne große Vorankündigung aufgestellt. «Ich bin heute Morgen fast in eine Vollbremsung geraten, weil das Auto vor mir plötzlich abbremste», berichtet Anwohnerin Melanie Schulz. «Keiner rechnet hier mit Tempo 30.» Tatsächlich ist die Maßnahme Teil eines größeren Lärmaktionsplans für Hamburg, der bereits 2018 beschlossen wurde.
Die Verkehrsbehörde begründet den Schritt mit dem Lärmschutz für Anwohner. «An stark befahrenen Straßen wie der Lerchenstraße kann Tempo 30 die Lärmbelastung um bis zu drei Dezibel senken», erklärt Behördensprecher Christian Meier. Für Anwohner wie Gerd Hoffmann ist das ein Segen: «Nachts konnte ich bei offenem Fenster kaum schlafen. Jeder Lkw hat die Wände vibrieren lassen.»
Doch es gibt auch Kritik. Der ADAC Hamburg spricht von einer «schleichenden Temporeduzierung» in der ganzen Stadt. Seit meiner Berichterstattung zu ähnlichen Maßnahmen in Altona vor zwei Jahren habe ich beobachtet, wie Hamburgs Hauptstraßen zunehmend verkehrsberuhigt werden – oft ohne begleitende Konzepte für den Verkehrsfluss.
Die Polizei Hamburg kündigt für die kommenden Wochen verstärkte Kontrollen an. Für Anwohner wie für Pendler gilt: Augen auf im Straßenverkehr. Die Debatte um das richtige Tempo in unseren Städten wird uns noch lange beschäftigen – zwischen dem Wunsch nach fließendem Verkehr und dem Recht auf Nachtruhe liegt oft nur ein Verkehrsschild.
Mehr Informationen zum Hamburger Lärmaktionsplan auf der Webseite der Umweltbehörde.