Die Tore, die er einst hütete, bewacht er jetzt auf eine ganz andere Weise: Thomas Kessler, langjähriger Keeper des 1. FC Köln, steigt in die Geschäftsführung seines Herzensvereins auf. Eine Personalie, die in Köln für Aufsehen sorgt, aber gleichzeitig die neue Realität im Profifußball widerspiegelt, wo die Grenzen zwischen Spielfeld und Führungsetage zunehmend verschwimmen.
Der 37-jährige Ex-Profi, der bereits seit seinem Karriereende 2020 als «Leiter Lizenzfußball» für den FC tätig war, übernimmt nun deutlich mehr Verantwortung. Seine Beförderung kommt in einer turbulenten Phase für den Traditionsverein, der sportlich gegen den Abstieg kämpft und wirtschaftlich vor Herausforderungen steht.
«Ich bin mit diesem Verein aufgewachsen und kenne jede Ecke des Geißbockheims», erklärte Kessler bei seiner Vorstellung. «Diese neue Aufgabe ist für mich keine Frage des Titels, sondern eine Herzensangelegenheit.» Bemerkenswert ist sein schneller Aufstieg abseits des Rasens – vom Spieler zum Topmanager in nur vier Jahren.
Die Entwicklung Kesslers steht beispielhaft für einen Trend im deutschen Fußball. Immer häufiger rücken ehemalige Spieler in Führungspositionen, bringen ihre Praxiserfahrung und ihr Netzwerk mit. «Wer den modernen Fußball von innen kennt, bringt oft ein besseres Gespür für die Bedürfnisse von Mannschaft und Verein mit», bestätigt Sportökonom Christoph Breuer von der Sporthochschule Köln.
Ob Kessler den FC in ruhigere Gewässer führen kann, bleibt abzuwarten. Die Fans jedenfalls setzen große Hoffnungen in ihren ehemaligen Keeper – einen, der den Verein nicht nur als Geschäftsmodell, sondern als Lebensgefühl versteht. In Zeiten, wo Fußball immer mehr zum Business wird, könnte genau diese Verbindung Gold wert sein.