Im rechtsrheinischen Köln-Dellbrück soll in wenigen Wochen eine Forschungsbohrung beginnen, die den Weg für eine klimafreundliche Wärmeversorgung ebnen könnte. Bis zu 2000 Meter tief wollen Wissenschaftler in die Erde vordringen, um zu erforschen, ob die Tiefenwärme als Energiequelle für angrenzende Wohngebiete genutzt werden kann. Bei Erfolg könnten bis zu 4000 Haushalte mit nachhaltiger Wärme versorgt werden.
Die sogenannte Geothermie gilt als vielversprechende Alternative zu fossilen Brennstoffen. In Köln steigt die Temperatur mit jedem Kilometer Tiefe um etwa 30 Grad Celsius. «Wir suchen nach warmem Wasser in durchlässigen Gesteinsschichten», erklärt Projektleiter Dr. Frank Strozyk. «Dieses Wasser können wir an die Oberfläche pumpen, die Wärme entziehen und anschließend abgekühlt wieder in den Untergrund zurückführen.»
Das 16-Millionen-Euro-Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert und von RheinEnergie sowie der Universität Köln betrieben. Wenn die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte bereits 2027 eine Wärmeversorgung starten. «Für mich ist das einer der spannendsten Momente meiner Karriere», sagt Geologin Petra Weber. «Wir stehen vor einem Schatz an Energie, der direkt unter unseren Füßen liegt.»
Anwohner in Dellbrück verfolgen das Projekt mit gemischten Gefühlen. Als ich letzte Woche vor Ort war, erzählte mir ein Nachbar: «Natürlich wollen wir alle weg vom Gas. Aber was, wenn es Probleme gibt?» Die Projektbetreiber betonen, dass die seismischen Risiken in Köln äußerst gering seien und keine Gefahr von Erdbeben bestehe – anders als bei früheren Projekten am Oberrhein.
Sollte die Bohrung erfolgreich sein, könnte Köln zum Vorreiter für urbane Geothermie werden. Und vielleicht schauen wir in zehn Jahren auf diesen unscheinbaren Bohrturm in Dellbrück zurück als den Beginn einer Energiewende von unten.