In München schockte kürzlich ein Tierquälerei-Skandal die Reitsportwelt. Beim prestigeträchtigen Turnier wurden verstörende Bilder einer Reiterin bekannt, die ihr Pferd misshandelte – das Turnier wurde daraufhin abgebrochen. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf ein tiefer liegendes Problem: Wie können wir traditionelle Sportarten mit Tieren im 21. Jahrhundert neu denken?
Die Antwort könnte überraschend sein: Virtuelle Alternativen gewinnen rasant an Bedeutung. «Wir sehen einen deutlichen Anstieg bei Reitsport-Simulatoren, die nicht nur als Spiele, sondern als ernsthafte Trainingstools genutzt werden», erklärt Markus Weilbacher vom Deutschen E-Sport-Bund. Tatsächlich nutzen bereits mehrere Reitschulen in Bayern VR-Systeme, die Bewegungsabläufe und Körperhaltung analysieren. Die Software «RideRight Pro» verzeichnete allein im letzten Jahr einen Nutzerzuwachs von 78 Prozent im deutschsprachigen Raum.
Was als Gaming-Trend begann, entwickelt sich zu einer ernsthaften Ergänzung. Reiterin Julia Müller aus Augsburg trainiert inzwischen zweimal wöchentlich am Simulator: «Ich kann meine Balance und Technik verbessern, ohne mein Pferd zu belasten. Bei schlechtem Wetter oder wenn mein Pferd eine Pause braucht, ist das die perfekte Alternative.» Tierschützer begrüßen diese Entwicklung. Die Technologie ermöglicht es zudem Menschen mit Behinderungen oder begrenzten finanziellen Mitteln, Reitsport zu erleben.
Wird die Zukunft des Reitsports digital? Wahrscheinlich nicht komplett. Aber der Münchner Skandal zeigt, dass wir dringend neue Wege brauchen. Die Kombination aus traditionellem Reiten und digitalen Elementen könnte eine tierschutzfreundlichere Variante des geliebten Sports sein. Die Frage ist nicht mehr, ob die Digitalisierung den Reitsport verändert, sondern wie wir diese Veränderung gestalten – zum Wohl von Mensch und Tier.