Der Tod eines Obdachlosen in Dortmund bewegt die Stadt. Der 52-jährige Mann wurde am vergangenen Donnerstag leblos in seinem Zelt im Stadtgarten gefunden. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt war er offenbar an Unterkühlung gestorben. Besonders erschütternd: Nur wenige hundert Meter entfernt befinden sich mehrere Notunterkünfte, die in der Nacht freie Plätze hatten.
«Es ist eine Tragödie, die nicht hätte passieren müssen», sagt Sandra Weber von der Dortmunder Obdachlosenhilfe. Die Stadt bietet im Winter über 280 Notschlafplätze an, doch viele Menschen auf der Straße nehmen diese Angebote nicht in Anspruch. Die Gründe sind vielschichtig: Angst vor Diebstahl, Konflikten mit anderen Bewohnern oder schlicht der Wunsch nach Autonomie.
Der Todesfall hat eine Debatte über den Umgang mit Obdachlosigkeit ausgelöst. Während Teile der Politik mehr Kontrollen und eine konsequentere «Ordnungspolitik» fordern, mahnen Sozialverbände mehr niedrigschwellige Hilfen an. «Man kann Menschen nicht zwingen, Unterkünfte aufzusuchen», erklärt Sozialarbeiter Michael Krämer. «Wir brauchen mehr aufsuchende Arbeit und Angebote, die die Bedürfnisse der Betroffenen ernst nehmen.»
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich immer wieder erlebt, wie dünn der gesellschaftliche Konsens beim Thema Obdachlosigkeit ist. Der Spagat zwischen Hilfsangeboten und dem Wunsch nach «sauberen» Innenstädten führt regelmäßig zu Zielkonflikten.
Die Stadt Dortmund kündigte nun an, ihre Streetwork-Angebote zu verstärken. Ob das ausreicht? Der Tod im Stadtgarten ist jedenfalls eine Mahnung an uns alle: Zwischen «versorgt sein» und «angenommen sein» liegt oft ein entscheidender Unterschied.