Artikel – Die Würde des Lebens, die Schrecken des Todes – in München begann heute der Prozess um die Autoattacke auf eine Verdi-Demonstration vom Dezember 2023. Vor dem Landgericht muss sich ein 39-jähriger Mann verantworten, der mit seinem SUV absichtlich in eine Gruppe Demonstrierender gefahren sein soll. Ein 31-jähriger Gewerkschafter starb noch am Unfallort, drei weitere Menschen wurden verletzt.
Laut Staatsanwaltschaft leidet der Angeklagte an einer paranoiden Schizophrenie. Er soll geglaubt haben, die Demonstrierenden wollten ihn töten. «Der Mann war zum Tatzeitpunkt in einem akuten Wahnzustand, völlig außer Kontrolle», erklärte die Oberstaatsanwältin bei der Anklageverlesung. Im Gerichtssaal herrschte bedrückende Stille.
Die Tat erschütterte nicht nur die Gewerkschaftsbewegung. Seit Wochen beobachte ich, wie in München über Sicherheit bei Demonstrationen diskutiert wird. Mehrere Verdi-Mitglieder sitzen als Nebenkläger im Gerichtssaal. «Wir wollen verstehen, wie es dazu kommen konnte», sagte ein Kollege des Getöteten mit brüchiger Stimme.
Wenn das Gericht der Anklage folgt, droht dem Beschuldigten die dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Er könnte nach dem Urteil auf unbestimmte Zeit in einer geschlossenen Einrichtung bleiben müssen. Der Prozess ist für sechs Verhandlungstage angesetzt, mit Urteils-Verkündung im November.
Was uns alle nachdenklich stimmt: Wie dünn ist manchmal die Grenze zwischen Sicherheit und Gefahr bei öffentlichen Versammlungen? Die Antwort wird mehr als nur eine juristische sein müssen.