Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung hat heute ein landesweites Toleranzprojekt gestartet, das an 50 Schulen der Hauptstadt umgesetzt wird. «Wir leben in herausfordernden Zeiten, in denen Hass und Ausgrenzung zunehmen», erklärte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch bei der Auftaktveranstaltung in Kreuzberg. Nach aktuellen Zahlen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes haben diskriminierende Vorfälle an deutschen Schulen im letzten Jahr um 23 Prozent zugenommen.
Unter dem Motto «Berlin lebt Vielfalt» sollen Schülerinnen und Schüler lernen, respektvoll miteinander umzugehen und Vorurteile abzubauen. Das Programm umfasst Projekttage, Workshops und Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion. Die teilnehmenden Schulen erhalten Fördermittel in Höhe von insgesamt 2,5 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre.
«Wir müssen früh ansetzen, um demokratische Werte zu verankern», betont Projektleiterin Sabine Hoffmann. Besonders seit dem 7. Oktober 2023 hätten antisemitische Vorfälle an Berliner Schulen stark zugenommen. Als ich vor zwei Wochen eine Neuköllner Gemeinschaftsschule besuchte, berichtete mir die Schulleiterin von tiefen Gräben zwischen Schülergruppen unterschiedlicher Herkunft.
Auch Hamid Al-Sayed, Lehrer an einer Kreuzberger Sekundarschule, sieht dringenden Handlungsbedarf: «Viele meiner Schüler leben in Parallelwelten und haben kaum Kontakt zu Menschen mit anderen Lebensentwürfen. Unser Ziel ist es, Brücken zu bauen.«
Das Projekt stößt jedoch nicht überall auf Zustimmung. Elternverbände kritisieren den hohen Aufwand und befürchten, dass regulärer Unterricht zu kurz kommt. Die Bildungsverwaltung entgegnet, dass demokratische Bildung kein Zusatzprogramm sei, sondern zum Kernauftrag der Schulen gehöre. Eine wissenschaftliche Begleitung soll Ende 2026 Aufschluss über die Wirksamkeit des Projekts geben. Manchmal sind es die kleinen Schritte, die in eine bessere Richtung führen.