Die plötzlich ansteigende Zahl toter Schwäne in Berlin löst Besorgnis bei Tierschützern und Behörden aus. An Havel und Spree wurden in den vergangenen zwei Wochen mehr als 25 verendete Höckerschwäne entdeckt – ein ungewöhnlich hoher Wert. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales spricht von einer «besorgniserregenden Häufung», die aktuell untersucht wird.
Was genau die majestätischen Wasservögel sterben lässt, bleibt vorerst ungeklärt. Die ersten Untersuchungsergebnisse deuten auf mehrere mögliche Ursachen hin. Tierseuchen wie die Vogelgrippe wurden bislang nicht nachgewiesen, wie das zuständige Labor mitteilt. Stattdessen zeigen viele der toten Tiere Vergiftungserscheinungen.
«Bei einigen Exemplaren haben wir erhöhte Schwermetallwerte im Gewebe festgestellt», erklärt Dr. Carolin Wendler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie. Die Biologin untersucht seit Jahren die Berliner Wasservögel. «Besonders beunruhigend ist der Zustand der Lebern – sie weisen Schäden auf, die typisch für Umweltgifte sind.»
Eine weitere mögliche Ursache: die extreme Hitze des Sommers und die dadurch veränderten Wasserbedingungen. In mehreren Bereichen der Havel wurden erhöhte Algenwerte gemessen, die sauerstoffarme Zonen erzeugen können.
Als ich gestern am Tegeler See war, konnte ich selbst beobachten, wie Passanten trotz Verbots Schwäne mit Brot füttern. Auch das könnte zum Problem beitragen. «Verschimmeltes Brot ist lebensgefährlich für Wasservögel», warnt Tierschützerin Maja Forster. Sie fordert die Stadt auf, mehr Warnschilder aufzustellen.
Für die Bevölkerung besteht nach aktuellem Kenntnisstand keine Gefahr. Die Untersuchungen dauern an. Der Fall zeigt einmal mehr, wie sensibel das ökologische Gleichgewicht unserer Stadtgewässer ist. Die Schwäne, einst als Symbol für die Reinheit der Berliner Gewässer gefeiert, könnten nun zu Botschaftern einer bedrohten Wasserlandschaft werden.