Die Steuersünden im Rotlichtmilieu kommen die Betreiber des Stuttgarter „Paradise» teuer zu stehen. Das Landgericht Stuttgart verurteilte heute drei Geschäftsführer zu Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Zwischen 2008 und 2014 hatten sie systematisch Einnahmen aus dem Bordellbetrieb verschleiert und dem Fiskus mehr als 15 Millionen Euro vorenthalten.
Die Masche war einfach, aber effektiv: Ein großer Teil der Bareinnahmen wanderte nie in die offizielle Buchhaltung. Stattdessen floss das Geld in private Taschen oder wurde für Schwarzlöhne verwendet. «Eine klassische Schwarzgeldkasse, wie wir sie leider immer wieder im Rotlichtmilieu finden«, erklärte mir ein ermittelnder Steuerfahnder nach der Verhandlung.
Das «Paradise» galt jahrelang als eines der größten und luxuriösesten Bordelle Deutschlands. Täglich besuchten zwischen 100 und 250 Kunden den Betrieb am Rande von Stuttgart. Doch hinter der schillernden Fassade verbarg sich ein System der systematischen Steuerhinterziehung.
«Wir haben es hier nicht mit einem Kavaliersdelikt zu tun«, betonte die vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung. «Wer Millionengewinne erzielt, muss auch seinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten.»
Ich erinnere mich noch an die Eröffnung des «Paradise» 2008, die ich als junge Reporterin begleitete. Die Betreiber präsentierten sich damals als Vorreiter eines neuen, transparenten Rotlichtgewerbes. Von Transparenz gegenüber den Finanzbehörden war allerdings keine Rede.
Die Verteidigung kündigte bereits Revision an. Der Hauptangeklagte beteuerte seine Unschuld: «Das war ein Buchhaltungsproblem, keine Absicht.«
Für Baden-Württembergs Finanzämter ist das Urteil ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen Steuerbetrug im Rotlichtmilieu. Die hinterzogenen Millionen werden nun nachgefordert – plus empfindlicher Strafzinsen. Das einstige Bordell-Imperium ist längst Geschichte. Am Ende siegte nicht die käufliche Liebe, sondern die Steuerpflicht.