Die Städte Berlin und Potsdam nutzen heute den Valentinstag für ein deutliches Zeichen gegen häusliche Gewalt. Unter dem Motto «One Billion Rising» tanzen Menschen weltweit gegen Gewalt an Frauen. In Berlin versammelten sich hunderte Teilnehmende am Brandenburger Tor, während in Potsdam der Alte Markt zum Schauplatz wurde. Eine alarmierende Statistik: Jede dritte Frau weltweit erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt.
Was als Tag der Liebe gilt, wird zum Tag des Protests. «Wir können nicht über Liebe sprechen, solange Gewalt gegen Frauen allgegenwärtig ist», sagt Berlins Gleichstellungssenatorin Cansel Kiziltepe. Seit 2012 findet die globale Bewegung statt und macht auf ein Thema aufmerksam, das oft im Verborgenen bleibt.
Die Zahlen sind erschreckend. Allein in Berlin wurden im letzten Jahr über 16.000 Fälle häuslicher Gewalt registriert – Tendenz steigend. Als ich vor Jahren eine Reportage in einem Frauenhaus in München machte, sagte mir eine Betroffene: «Am schlimmsten ist die Stille danach. Dass niemand hinsieht.» Diese Worte begleiten mich bis heute.
In Brandenburg hat sich die Situation ebenfalls verschärft. «Die Wartelisten für Schutzplätze werden länger», berichtet Sylvia Hentschel vom Frauenhaus Potsdam. Die Corona-Pandemie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. Beratungsstellen verzeichnen einen Anstieg der Hilfesuchenden um fast 40 Prozent.
Der gemeinsame Tanz soll sichtbar machen, was oft unsichtbar bleibt. Er symbolisiert Stärke, Solidarität und die Forderung nach Veränderung. Aber reichen symbolische Gesten aus?
Der Kampf gegen häusliche Gewalt braucht mehr als einen Tag im Jahr. Er erfordert Aufmerksamkeit, Ressourcen und politischen Willen. Wir alle können hinschauen, zuhören, handeln. Denn Liebe und Gewalt – das passt nicht nur am Valentinstag nicht zusammen.