Die Stuttgarter Landesregierung positioniert sich überraschend deutlich gegen das geplante EU-weite Verbrenner-Aus ab 2035. Verkehrsministerin Kretschmann verschickte gestern einen Brandbrief an die EU-Kommission, der die deutsche Autoindustrie aufhorchen lässt. Darin fordert sie eine Neubewertung der Technologieoffenheit – ein Kurswechsel mit Sprengkraft für den Autostandort Deutschland.
«Die einseitige Fokussierung auf Elektromobilität gefährdet unsere Wettbewerbsfähigkeit massiv», zitiert die Ministerin aus Gesprächen mit Zulieferern im Ländle. Nach aktuellen Zahlen des Verbands der Automobilindustrie könnten durch das Verbrenner-Aus bis zu 178.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen.
Die Intervention kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Während China und die USA ihre Autoindustrie massiv fördern, kämpfen deutsche Hersteller mit Produktionsrückgängen. Bei meinem letzten Besuch in Sindelfingen konnte ich die Verunsicherung in den Werkshallen förmlich greifen. Ein Betriebsrat sagte mir unter vier Augen: «Früher waren wir Innovations-Champions, heute laufen wir technologisch hinterher.»
Bemerkenswert ist die Formulierung im Brief: Statt nur die E-Auto-Strategie zu kritisieren, plädiert Stuttgart für einen «pragmatischen Übergangspfad» mit synthetischen Kraftstoffen. Genau hier liegt der Knackpunkt: Während die Bundesregierung am Verbrenner-Ende festhält, bricht das industriestarke Baden-Württemberg nun aus.
Der Brief aus Stuttgart könnte tatsächlich etwas bewegen. EU-Verkehrskommissarin Vălean signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft. Die Entscheidung, die in Brüssel in den nächsten Wochen fällt, wird zeigen, ob Europas Autoindustrie einen technologieoffenen Weg einschlagen kann – oder ob das Verbrenner-Aus endgültig besiegelt wird.