Die Gedenktafel zur Berliner Afrika-Konferenz ist weg – spurlos verschwunden aus dem Berliner Regierungsviertel. Seit Mitte der 1990er Jahre erinnerte die bronzene Tafel an der Wilhelmstraße an das beschämende Kapitel deutscher Kolonialgeschichte: Hier, im ehemaligen Reichskanzlerpalais, teilten europäische Mächte 1884/85 den afrikanischen Kontinent unter sich auf – ohne Beteiligung der afrikanischen Bevölkerung. Erst jetzt bemerkte ein aufmerksamer Passant das Fehlen der historisch wichtigen Markierung.
Die Berliner Afrika-Konferenz gilt als Symbol des europäischen Kolonialismus. «Diese Konferenz legte den Grundstein für Ausbeutung, Unterdrückung und willkürliche Grenzziehungen, unter deren Folgen der Kontinent bis heute leidet», erklärt Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Die Gedenkplatte war eine der wenigen sichtbaren Erinnerungen an Deutschlands Kolonialvergangenheit im öffentlichen Raum.
Wann genau die Tafel verschwand, bleibt unklar. Das Bezirksamt Mitte zeigt sich überrascht und hat Nachforschungen eingeleitet. «Wir prüfen, ob die Tafel im Rahmen von Bauarbeiten entfernt wurde oder ob es sich um Diebstahl handelt», teilte eine Sprecherin mit. In den letzten Jahren wurden mehrfach Metalldiebstähle in Berlin verzeichnet – doch die Symbolkraft dieser speziellen Platte gibt Rätsel auf.
In meinen zwanzig Jahren als Journalistin habe ich immer wieder erlebt, wie fragil unsere Erinnerungskultur sein kann. Ein kleines Stück Bronze, kaum beachtet von eiligen Passanten, und doch so wichtig für das kollektive Gedächtnis.
Die Diskussion über den deutschen Kolonialismus hat zuletzt wieder an Fahrt aufgenommen. Aktivisten und Historiker fordern eine intensivere Auseinandersetzung mit diesem Teil der Geschichte. Das Verschwinden der Tafel wirft die Frage auf: Wie ernst nehmen wir die Aufarbeitung unserer Vergangenheit wirklich? Vielleicht braucht es mehr als Bronze, um Erinnerung lebendig zu halten.