Der öffentliche Nahverkehr in Hamburg steht seit den frühen Morgenstunden still. Etwa 7.000 Beschäftigte der Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) sind heute in einen ganztägigen Warnstreik getreten. Fahrgäste müssen auf Busse und U-Bahnen verzichten – nur die S-Bahnen fahren wie gewohnt. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di liegt die Beteiligung bei nahezu 100 Prozent.
«An Tagen wie diesen wird deutlich, wie abhängig wir von einem funktionierenden ÖPNV sind», beobachte ich im Hamburger Hauptbahnhof. Tausende Pendler stehen ratlos vor den Anzeigetafeln. Die Straßen sind überfüllt, viele weichen aufs Fahrrad aus, trotz des regnerischen Wetters.
Der Streik trifft die Hansestadt empfindlich. «Wir kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne«, erklärt Natale Fontana, Verhandlungsführer bei ver.di. Die Gewerkschaft fordert unter anderem 550 Euro mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das Angebot der Arbeitgeber – 3,5 Prozent mehr in zwei Stufen – sei völlig unzureichend angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks äußert zwar Verständnis für die Forderungen, kritisiert aber das Ausmaß: «Ein kompletter Stillstand schadet allen.» Besonders betroffen sind heute die rund 750.000 täglichen Fahrgäste, darunter viele Schüler und Berufstätige.
Auch die lokale Wirtschaft spürt die Auswirkungen. Nach Schätzungen der Handelskammer entstehen Einbußen in Millionenhöhe. Die nächste Verhandlungsrunde ist für kommende Woche angesetzt. In Gesprächen mit Betroffenen wird klar: Die Geduld schwindet – auf beiden Seiten. Wie lange können wir uns noch dieses Stop-and-go im Nahverkehr leisten?