In mehreren deutschen Städten stehen heute Busse und Bahnen still. Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr zu Warnstreiks aufgerufen. In Hamburg fahren keine U-Bahnen, in München sind S-Bahnen betroffen. Nach Angaben der Verkehrsbetriebe müssen rund drei Millionen Pendler alternative Wege zur Arbeit finden.
Die Streiks sind Teil der laufenden Tarifverhandlungen. Ver.di fordert deutlich bessere Arbeitsbedingungen und 10,5 Prozent mehr Lohn – mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber haben bisher 3,5 Prozent geboten, was die Gewerkschaft als «völlig unzureichend» zurückwies.
«Unsere Kolleginnen und Kollegen können sich die steigenden Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten», erklärt Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende. «Gleichzeitig fehlen überall Fachkräfte, weil die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden.»
Vor dem Hamburger Hauptbahnhof stehen Hunderte Pendler ratlos vor den Anzeigetafeln. Eine Szene, die ich in zwanzig Jahren Berichterstattung immer häufiger erlebe. Viele haben Verständnis, andere sind frustriert. «Ich komme jetzt zu spät zum Vorstellungsgespräch», sagt Mareike Schulz (34) aus Altona.
Die Verkehrsbetriebe raten, auf das Auto umzusteigen oder im Homeoffice zu arbeiten. Doch nicht jeder hat diese Möglichkeit. Die nächste Verhandlungsrunde ist für kommende Woche angesetzt. Sollte auch diese ohne Ergebnis bleiben, drohen laut ver.di noch umfassendere Streiks – ein Vorgeschmack auf einen möglicherweise heißen Herbst im öffentlichen Nahverkehr.