Nach einer Nacht im Einsatz können die Bewohner des Neubauprojekts im Essener Südostviertel aufatmen: Die Tiefgarage steht nicht mehr unter Wasser. Ein massiver Wasserrohrbruch hatte gestern über zwölf Millionen Liter Wasser in die Garage strömen lassen. Das entspricht etwa fünf olympischen Schwimmbecken.
Die Feuerwehr Essen kämpfte die ganze Nacht gegen die Wassermassen. «Wir hatten Glück im Unglück», erklärt Einsatzleiter Michael Schmidt, «dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.» Der Schaden an den geparkten Fahrzeugen und der Bausubstanz geht jedoch in die Hunderttausende.
Die Bewohner des erst vor wenigen Monaten fertiggestellten Neubaukomplexes wurden am frühen Morgen durch die Sirenen der Feuerwehr geweckt. Eine Hauptwasserleitung unter dem angrenzenden Gehweg war geborsten, vermutlich aufgrund von Materialermüdung. Die Stadtwerke Essen konnten die Leitung erst nach zwei Stunden vollständig absperren.
Was mich besonders beeindruckt hat: Die Nachbarschaftshilfe funktionierte sofort. Anwohner brachten den Einsatzkräften heißen Kaffee, boten Betroffenen Übernachtungsmöglichkeiten an. Das habe ich in meinen 20 Jahren Berichterstattung immer wieder erlebt – Essener rücken in Notlagen zusammen.
Ein Statiker prüfte bereits am Morgen das Gebäude und gab vorläufige Entwarnung für die Bausubstanz. «Die moderne Bauweise hat Schlimmeres verhindert», so der Experte. Die Aufräumarbeiten werden jedoch noch Tage dauern.
Während die Tiefgarage leergepumpt wird, stellt sich die Frage nach der alternden Infrastruktur unter unseren Füßen. In Essen sind viele Wasserleitungen über 50 Jahre alt. Der gestrige Vorfall könnte ein Weckruf sein, mehr in die unsichtbaren Lebensadern unserer Stadt zu investieren – bevor der nächste Altbau im Wasser steht.