In Hamburg hat heute der Prozess gegen einen 21-jährigen Mann begonnen, dem vorgeworfen wird, seine junge Bekannte getötet zu haben. Der Fall, der unter dem Namen «White Tiger» bekannt wurde, erschütterte die Stadt im vergangenen Sommer. Die Leiche der 18-jährigen Frau wurde im August 2023 in einem Waldstück im Stadtteil Neuallermöhe gefunden, nachdem sie zuvor als vermisst gemeldet worden war.
Der Angeklagte soll das Opfer laut Staatsanwaltschaft aus niedrigen Beweggründen getötet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er die junge Frau in einen Hinterhalt lockte und sie dann mit mehreren Messerstichen tötete. Besonders erschreckend: Der Täter soll das Opfer noch während des Angriffs mit seinem Handy gefilmt haben.
«Die Brutalität dieses Falls ist außergewöhnlich», sagte Oberstaatsanwältin Liddy Oechtering beim Prozessauftakt im Hamburger Landgericht. Zwischen Opfer und mutmaßlichem Täter soll es zuvor eine lockere Bekanntschaft gegeben haben, die sich über soziale Medien entwickelte.
In meinen fast 20 Jahren als Berichterstatterin habe ich selten einen Fall erlebt, bei dem die Trauer und Wut in der Bevölkerung so greifbar war wie hier. Bei der Festnahme des Verdächtigen versammelten sich spontan Dutzende Menschen vor der Polizeiwache.
Die Eltern des Opfers sind als Nebenkläger zugelassen und waren heute im Gerichtssaal anwesend. «Wir wollen nur wissen, warum er unserer Tochter das angetan hat», sagte der Vater mit tränenerstickter Stimme.
Der Verteidiger des Angeklagten kündigte an, dass sein Mandant sich zu einem späteren Zeitpunkt zu den Vorwürfen äußern werde. Der Prozess ist auf mehrere Verhandlungstage angesetzt und könnte sich bis in den Sommer ziehen.
Die Hamburger Polizei hatte damals eine Sonderkommission mit dem Namen «White Tiger» eingerichtet – in Anlehnung an den Nutzernamen, den der Verdächtige in sozialen Netzwerken verwendete. Dieser Fall wirft erneut die Frage auf, welche Gefahren in flüchtigen Online-Bekanntschaften lauern können.