Der Winter zieht die Zügel an: In Baden-Württemberg herrscht seit gestern Abend ein unerwarteter Ausnahmezustand. Bis zu 40 Zentimeter Neuschnee sind in höheren Lagen gefallen, und der Deutsche Wetterdienst warnt vor weiteren ergiebigen Schneefällen bis zum Wochenende. Besonders im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb haben die weißen Massen den Verkehr teilweise zum Erliegen gebracht.
Als ich heute Morgen in Stuttgart aus dem Fenster blickte, standen die Menschen mit Schneeschaufeln auf den Gehwegen Schlange. An solche Mengen können sich viele nicht erinnern. «Seit 2010 hatten wir keinen vergleichbaren Wintereinbruch mehr«, erklärte mir Meteorologe Thomas Schuster vom DWD. Die Räumdienste arbeiten seit den frühen Morgenstunden im Dauereinsatz.
Auf der A8 bei Pforzheim steckten gestern Abend über hundert Fahrzeuge fest, darunter zahlreiche Lastwagen. Die Polizei meldete allein im Regierungsbezirk Stuttgart mehr als 120 witterungsbedingte Unfälle. «Zum Glück blieb es meist bei Blechschäden», so Polizeisprecher Markus Hoffmann. Mehrere Schulen im Landkreis Esslingen blieben heute geschlossen.
Was mich bei meinen Gesprächen mit Anwohnern überrascht: Trotz Verkehrschaos überwiegt bei vielen die Freude über den Winterzauber. Familien mit Kindern strömen in die Parks, auf den Schlittenhügeln im Schönbuch herrscht Hochbetrieb. Die Wetterlage bleibt jedoch angespannt – mit weiteren Schneefällen und frostigen Temperaturen ist zu rechnen.
Wie sich dieser plötzliche Wintereinbruch auf die kommenden Wochen auswirkt, bleibt abzuwarten. Für die Wintersportgebiete im Schwarzwald ist er ein unerwarteter Segen. Für Pendler hingegen eine Geduldsprobe. Und manch einer fragt sich: Ist das nur eine kurze Winterepisode oder der Auftakt zu mehr?