Die Stadt Hamburg kämpft weiter mit den Folgen des Wintereinbruchs. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sind in den letzten 48 Stunden rund 15 Zentimeter Schnee gefallen. Besonders prekär ist die Lage auf den Gehwegen, wo sich durch wiederholtes Tauen und Frieren gefährliche Eisplatten gebildet haben. Die Unfallzahlen in den Notaufnahmen sind laut Gesundheitsbehörde um 30 Prozent gestiegen.
Der Hamburger Senat hat gestern Abend das sonst streng gehandhabte Tausalz-Verbot vorübergehend aufgehoben. «Die Sicherheit der Menschen geht vor Umweltschutz«, erklärte Umweltsenator Jens Kerstan. «Sobald die Extremsituation vorbei ist, kehren wir selbstverständlich zur umweltschonenden Räumung zurück.»
Rund 450 Mitarbeiter der Stadtreinigung sind seit Tagen im Dauereinsatz. Die Räumfahrzeuge konzentrieren sich auf Hauptverkehrsadern und ÖPNV-Strecken. «Unsere Leute arbeiten am Limit», berichtet Einsatzleiter Michael Weber. «Manche sind seit 4 Uhr morgens unterwegs.»
In den Stadtteilen Barmbek und Winterhude haben sich Nachbarschaftsinitiativen gebildet, die ältere Menschen beim Einkaufen unterstützen. «Das erinnert mich an den Zusammenhalt während der Corona-Zeit», bemerkte ich bei einem Lokaltermin am Goldbekkanal.
Der HVV meldet weiterhin Einschränkungen auf einzelnen Bus- und Bahnlinien. Besonders betroffen sind die höher gelegenen Stadtteile in Harburg und den Walddörfern. Meteorologen rechnen mit einer Entspannung ab Donnerstag, wenn die Temperaturen wieder über null Grad steigen sollen.
Bis dahin bleibt für die Hamburger nur: Vorsichtig gehen, Zeit einplanen und – wenn möglich – Homeoffice nutzen. Oder wie eine ältere Dame an der Bushaltestelle Schlump es ausdrückte: «Moin, wir Nordlichter haben schon ganz andere Winter überstanden.«