Die Suche nach Wintersport-Nachwuchs läuft in Berlin auf Hochtouren. Besonders im Eisschnelllauf und Skispringen fehlt es an jungen Talenten. Der Berliner Eissport-Verband geht deshalb einen ungewöhnlichen Weg: Er wirbt direkt in den Schulen um neue Sportlerinnen und Sportler. Eine Initiative, die längst überfällig scheint – nur noch 300 Kinder und Jugendliche trainieren im Landesleistungszentrum am Sportforum Hohenschönhausen.
«Früher hatten wir 1.200 Kinder in der Förderung, heute kämpfen wir um jedes einzelne», erklärt Sportkoordinator Falk Weiland. Er besucht regelmäßig Grundschulen, um für die Wintersportarten zu werben. Die Resonanz sei durchaus positiv, betont er, doch der Weg vom Interesse bis zum regelmäßigen Training sei weit.
Das Problem hat viele Ursichten: veränderte Freizeitgewohnheiten, Nachwirkungen der Corona-Pandemie und wachsende Konkurrenz durch andere Sportarten. Hinzu kommt die spezifische Berliner Situation – Wintersport in einer Großstadt ohne natürliche Schneeflächen vermitteln zu wollen, gleicht manchmal einer Herkulesaufgabe.
«Wir müssen kreativ sein», sagt die ehemalige Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. Als Trainerin erlebt sie, wie schwer es ist, Kinder für ihren Sport zu begeistern. «Wenn sie aber einmal auf dem Eis stehen, sind viele sofort Feuer und Flamme.»
Das bestätigt auch der 14-jährige Niklas, der seit drei Jahren Skispringen trainiert: «Meine Freunde finden es alle ziemlich cool, dass ich Skispringen mache. Aber sie selbst würden es sich nicht zutrauen.»
In meinen zwanzig Jahren als Sportjournalistin habe ich viele Nachwuchsprobleme im Spitzensport beobachtet, aber selten waren die Herausforderungen so vielfältig wie hier. Während wir über die nächsten Olympischen Winterspiele sprechen, entscheidet sich heute, ob Berlin überhaupt noch Talente entsenden kann.
Für die Zukunft des Berliner Wintersports wird entscheidend sein, ob die Schulkooperationen Früchte tragen. Der Verband hofft, bis 2026 wieder mindestens 500 Kinder im Training zu haben. Eine ambitionierte Zahl, die nur mit Unterstützung von Eltern, Schulen und Politik erreichbar scheint. Und vielleicht mit der nächsten Winterolympiade vor Augen, die wieder mehr Kinder zum Träumen bringt.