Seit Donnerstagmorgen steht Hamburg still. Um drei Uhr nachts legten die Beschäftigten der Hochbahn die Arbeit nieder. Keine U-Bahn fährt. Von 120 Buslinien verkehren nur vier normal. Elf weitere im Notbetrieb. Bis Freitagmorgen dauert der Ausstand.
Die Gewerkschaft Verdi hat bereits den nächsten Streik angekündigt. Am Sonnabend sollen sowohl Hochbahn als auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein bestreikt werden. Wieder 24 Stunden. Wieder ab drei Uhr nachts. „Die Tarifverhandlungen im ÖPNV sind festgefahren wie nie», sagt Verdi-Vertreterin Irene Hatzidimou. Sie macht den Sparkurs des rot-grünen Senats dafür verantwortlich.
Ich habe in meinen Jahren als Reporterin viele Streiks begleitet. Doch selten war die Stimmung so verhärtet. Ende Februar gab es bereits einen 48-Stunden-Streik. Die Hochbahn bietet inzwischen bis zu 8,1 Prozent mehr Gehalt über 30 Monate. Verdi fordert 3,4 Prozent oder mindestens 150 Euro – aber nur für zwölf Monate. Die Schere geht weit auseinander.
Beide Seiten haben ihre Positionen bereits angepasst. Trotzdem keine Einigung. Das Problem: Die Stadt Hamburg ist Haupteigentümer beider Unternehmen. Ohne grünes Licht aus dem Rathaus bewegt sich nichts. „Es ist völlig sinnlos, sich weiter an Verhandlungstischen zu verausgaben», so Hatzidimou.
Für Pendler bedeutet das Chaos pur. Wer kann, weicht auf S-Bahn oder Fähren aus. Die sind nicht betroffen. Auch die Shuttles zur Arena fahren – dort tritt am Donnerstagabend Clueso auf. Am Montag und Dienstag wird weiterverhandelt. Ob das reicht, um den Konflikt zu lösen? Die Hamburger werden es spüren.