Vor dem Timmendorfer Strand kämpft ein gestrandeter Wal ums Überleben. Das etwa zehn Meter lange Tier sitzt seit Montagnacht auf einer Sandbank fest. Selbst das Hochwasser konnte ihm nicht helfen. Laut Sea Shepherd handelt es sich um einen jungen Buckelwal – möglicherweise denselben, der im März bei Wismar in einem Netz gefangen war.
Helfer sind rund um die Uhr im Einsatz. Polizeiboote, Schlauchboote und Drohnen wurden eingesetzt. Experten vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung in Büsum und der Tierärztlichen Hochschule Hannover sind vor Ort. „Vielleicht ist das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft», sagt ITAW-Expertin Stephanie Groß. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach unglücklich gelandet sei.
Ich habe in zwanzig Jahren viele Tierrettungen begleitet. Aber bei Walen ist jeder Handgriff heikel. Buckelwale wiegen bis zu 35 Tonnen. Ihr eigenes Gewicht kann sie erdrücken, wenn sie zu lange an Land liegen. Die Rettung setzt die Tiere unter enormen Stress. Deshalb hat die Polizei den Bereich um den Niendorfer Hafen abgesperrt.
Buckelwale sind in der Ostsee eigentlich nicht heimisch. Nur die kleineren Schweinswale leben hier dauerhaft. Almut Neumeister vom Deutschen Meeresmuseum erklärt: „Große Wale folgen vermutlich Fischschwärmen oder erkunden ihre Umgebung.» Unterwasserlärm könne ihre Orientierung stören. Allein 2025 wurden mehrere Buckelwale in der Ostsee gesichtet – eine ungewöhnliche Häufung.
Die Chancen für den jungen Bullen sind ungewiss. Er könnte wieder stranden, selbst wenn die Rettung gelingt. Mehr Informationen zur aktuellen Lage bietet Sea Shepherd auf ihrer Website. Die Helfer geben nicht auf. Sie versuchen jetzt, ihn mit Schlauchbooten ins tiefere Wasser zu ziehen.
Die Frage bleibt: Wie viele verirrte Wale müssen noch stranden, bevor wir unsere Meere besser schützen?