Am Donnerstag drohen in mehreren Bundesländern Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr. Die Gewerkschaft Verdi kündigte die Arbeitsniederlegungen am Montagmorgen an. Berlin bleibt verschont. Doch bei Brandenburg herrscht Verwirrung: Erst hieß es Streik, dann nicht, dann vielleicht doch.
Was zunächst klar schien, löste sich im Laufe des Tages in Unklarheit auf. Der Bundesverband nannte Brandenburg als Streikregion. Die Landesbezirksleitung sprach von einem „Kommunikationsfehler» und dementierte. Am Nachmittag dann die Wendung: Andrea Germanus, Verhandlungsführerin für Berlin-Brandenburg, erklärte, erst am Abend falle die Entscheidung. Sollte Brandenburg mitmachen, werde Verdi am Dienstagmorgen informieren.
Solche Verwirrung habe ich in zwanzig Jahren Berichterstattung selten erlebt. Das verunsichert Pendlerinnen und Pendler massiv. Wer morgens zur Arbeit muss, braucht Planungssicherheit.
Im Kern geht es um bessere Arbeitsbedingungen und in einigen Ländern um höhere Gehälter. „Die Zeiten seien schwierig, heißt es von den Arbeitgebern», sagt Verdi-Vize Christine Behle. „Allerdings können wir uns Zögerlichkeit am Verhandlungstisch nicht leisten.» In Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gab es bereits Einigungen. In vielen anderen Bundesländern stocken die Gespräche seit vier Monaten.
Die Situation zeigt: Kommunikation ist in Arbeitskämpfen entscheidend. Wenn nicht mal die Gewerkschaft selbst weiß, wer streikt, leiden vor allem die Fahrgäste. Bleibt die Frage: Wie sollen Arbeitgeber verhandeln, wenn nicht einmal die Streikfront klar ist?