Wenn man über Managergehälter spricht, denkt man oft an Konzerndynastien in Frankfurt oder Stuttgart. Die neuen Zahlen der Zeppelin-Universität zeigen ein anderes Bild: Deutschlands bestbezahlte öffentliche Chefs sitzen nicht in einem DAX-Vorstand, sondern häufig in der örtlichen Sparkasse. Durchschnittlich 439.000 Euro verdient ein Sparkassenvorstand im Jahr. Damit liegt er in einer eigenen Liga, weit vor den Chefs von Stadtwerken oder Verkehrsbetrieben. Das ist für viele Kunden, die ihr Girokonto dort haben, erstmal eine Hausnummer zum Staunen.
Warum ist das so? Der Sparkassenverband argumentiert mit dem harten Wettbewerb um Banker-Expertise. Eine Sparkasse braucht heute Führungskräfte, die mit Digitalisierung, Compliance und komplexen Finanzrisiken umgehen können – genau wie jede Privatbank. Professor Ulf Papenfuß, Autor der Studie, sieht das aber nur als Teil der Erklärung. Er verweist auf den eigentlichen Auftrag: Sparkassen sind da für die flächendeckende Versorgung aller Bürger und die Förderung der Region. Diese „Gemeinwohlbindung“ mache die Gehälter zu einer öffentlichen Angelegenheit. Interessant ist hier ein Detail: Nur rund ein Drittel der Sparkassen legt die Vorstandsgehälter personenbezogen offen. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der ebenfalls oft in der Gehaltskritik steht, tut das inzwischen jede Anstalt. Diese unterschiedliche Transparenz hat auch mit föderalem Wirrwarr zu tun, jedes Bundesland hat eigene Sparkassengesetze.
Aus meiner Zeit in Frankfurt weiß ich: Bankergehälter waren immer ein emotionales Thema. Die neue Studie relativiert aber einen gängigen Vorwurf. Nur gut 10 Prozent der Sparkassenvergütung sind variabel, bei manchen gibt’s gar keinen Bonus. Die hohen Gehälter sind also meist feste Bezüge, nicht an kurzfristige Boni geknüpft. Das entkräftet das Argument, hohe Bezahlung sei immer ein reiner Leistungsanreiz.
Was bedeutet das für uns? Die Debatte verschiebt sich. Es geht weniger um „zu viel“ oder „zu wenig“, sondern um gute Begründung und vor allem: Transparenz. Wenn eine Institution wie die Sparkasse mit öffentlichem Auftrag und Gewährträgerhaftung agiert, dann muss die Bezahlung ihrer Spitzenleute auch für den Bürger auf der Straße nachvollziehbar sein. Gute Führung hat ihren Preis, aber in öffentlichen Unternehmen gehört Rechenschaft dazu. Vielleicht sollten wir nicht nur auf die absolute Zahl schauen, sondern öfter fragen:
- Was leistet meine Sparkasse eigentlich für die Region?
- Ist sie bereit, das auch bei den Gehältern offenzulegen?
- Wie transparent sind die Gehälter der Vorstandsmitglieder?
- Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Gehälter?
- Inwiefern sind die Gehälter ein Anreiz für Leistung?
- Wie unterscheiden sich die Gehälter von Sparkassen untereinander?
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Durchschnittliches Gehalt | 439.000 Euro pro Jahr |
| Variabilität der Gehälter | Über 10 Prozent variabel |
| Transparenz | Rund ein Drittel der Sparkassen offenbart Gehälter personenbezogen |
| Forschung | Studie von Professor Ulf Papenfuß |
| Öffentlicher Auftrag | Flächendeckende Versorgung und Förderung der Region |
| Föderale Unterschiede | Eigene Sparkassengesetze in jedem Bundesland |