In den Büros deutscher Industrieunternehmen wird aktuell viel gerechnet – und das Ergebnis ist niederschmetternd. Jedes vierte Unternehmen fürchtet, außerhalb der EU weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Das zeigt eine neue Umfrage des Münchner ifo-Instituts. Die Absturzangst trifft besonders hart die ehemaligen Vorzeigebranchen. „Die deutsche Industrie kann auf den internationalen Märkten weiterhin keinen Boden gutmachen“, sagt ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu mir.
Besonders dramatisch ist die Lage in der Autoindustrie. Fast jedes zweite Unternehmen dort – genau 43 Prozent – klagt über eine massiv verschlechterte Wettbewerbsposition außerhalb Europas. Das ist kein isoliertes Problem. In der Metallbranche sind es 29 Prozent, in der Chemie 26 Prozent und im Maschinenbau 25,5 Prozent. Selbst innerhalb der EU steht die Industrie unter Druck, wie die Umfrage zeigt. Die Probleme sind tief verwurzelt. „Die Wettbewerbsprobleme der deutschen Industrie sind struktureller Natur“, erklärt Wohlrabe. „Kurzfristige konjunkturelle Verbesserungen allein werden daran wenig ändern“.
Die Konsequenzen spüren wir längst auf dem Arbeitsmarkt. Bei den Autoherstellern gehen die Jobs derzeit schneller verloren als in jeder anderen Branche. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Ende des ersten Halbjahres nur noch 691.500 Menschen in der Autobranche beschäftigt – so wenige wie noch nie seit 2005. Allein im vergangenen Jahr verschwanden über 42.000 Arbeitsplätze. Insgesamt baut auch das gesamte Verarbeitende Gewerbe weiter ab: über 140.000 Stellen gingen im Jahresvergleich verloren.
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das mehr als trockene Prozentzahlen. Es geht um den Erhalt unseres Wohlstands und der sozialen Stabilität, die so lange von einer starken Industrie getragen wurde. Die nächste Bundesregierung muss diesen Wettbewerbsverlust endlich als zentrale Aufgabe begreifen. Sonst steht am Ende nicht nur die Zukunft einzelner Fabriken auf dem Spiel, sondern die unserer gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Die Uhr tickt laut.
- Wettbewerbsfähigkeit außerhalb der EU
- Schwächung der Autoindustrie
- Massive Jobverluste
- Strukturelle Wettbewerbsprobleme
- Einfluss auf Wohlstand
- Aufgabe für die Regierung
| Branche | Prozentsatz der Unternehmen mit Wettbewerbsproblemen |
|---|---|
| Autoindustrie | 43% |
| Metallbranche | 29% |
| Chemie | 26% |
| Maschinenbau | 25,5% |