Abschied von Kommissar Schaller: In der Krimireihe «München Mord» laufen die letzten Folgen mit dem philosophischen Bayern-Columbo – nach dem Tod seines Darstellers Alexander Held.
Ach, der Herr Schaller! Wenn er in seinem Kellerbüro bedächtig die Haut von einer Gelbwurstscheibe zieht, als sei es ein Faden der Erkenntnis, dann ist der Münchner Kriminalhauptkommissar Ludwig Schaller ganz bei sich – und ganz der Alte: ein bayerischer Seinsmystiker der kauzigen Art, neben sich auf dem Schreibtisch ein Wackeldackel, vor sich im Geiste eine Vision, mindestens aber eine Intuition, und auf den Lippen gerne eine (Lebens-)Weisheit: «Die Gier ist ein Luder, Harald.»
Es ist eine besondere Art der Trauer, die gerade viele Zuschauer umtreibt. Nicht nur wegen eines Serienendes, sondern weil eine Figur Abschied nimmt, die über die Jahre fast wie ein realer, grantelnder, aber weiser Münchner Nachbar wirkte. Alexander Held, der Schaller-Darsteller, starb im vergangenen Oktober völlig unerwartet mit nur 66 Jahren. Für das Team der ARD-Reihe bedeutete das einen schweren Schock, für das Publikum den Verlust eines unverwechselbaren Charakters.
Die nun ausgestrahlten letzten drei Folgen sind schon vor Helds Tod gedreht worden. Sie zeigen ihn noch einmal in Hochform: mit dieser einzigartigen Mischung aus scheinbarer Schläfrigkeit und messerscharfer Beobachtungsgabe. In einer Folge, die in der Münchner Kunstszene spielt, sagt er zu seinem jungen Kollegen: «Man muss nicht alles verstehen. Man muss nur genau hinschauen.» Das war sein Credo. Er löste Fälle nicht mit High-Tech, sondern mit Menschenkenntnis und einer guten Portion bayerischer Skepsis gegenüber allem Aufgeregten.
- Ein bayerischer Seinsmystiker
- Ein unverwechselbarer Charakter
- Ein Meister der Menschenkenntnis
- Ein Kriminalhauptkommissar ohne High-Tech
- Die perfekte Symbiose aus Rolle und Schauspieler
- Ein stiller, würdiger Abschied
Mir ist diese Figur immer besonders nahe gegangen, vielleicht weil sie so gar nicht dem Klischee des actionreichen TV-Kommissars entsprach. In meinen Jahren in München habe ich oft ähnliche Typen getroffen: Männer und Frauen, die in der Hektik der Stadt ihre eigene, bedächtige Gangart fanden. Schaller war die Verkörperung davon. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die nicht einfach mit einem neuen Ermittler zu besetzen sein wird. Es war die perfekte Symbiose aus Rolle und Schauspieler.
Was bleibt, ist der Dank für einen ungewöhnlichen Fernsehhelden, der uns zeigte, dass Wahrheit manchmal im Detail einer Gelbwurst steckt und nicht im großen Donnerwetter. Die letzten Fälle sind noch bis Mitte März in der ARD Mediathek zu sehen – eine letzte Gelegenheit, dem Kommissar beim Grübeln zuzusehen. Es ist ein stiller, würdiger Abschied für einen, der das laute Wort nie mochte.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Darsteller | Alexander Held |
| Alter | 66 Jahre |
| Letzte Folgen | Drei Folgen |
| Charakter | Ludwig Schaller |
| Einflüsse | Bayerische Philosophie |
| Verfügbarkeit | Bis Mitte März in der ARD Mediathek |