Überall in Berlin sucht man nach Flächen, auf denen neuer Wohnraum entstehen kann. Dabei werden oft ungewöhnliche Orte in den Blick genommen. So auch ein stillgelegtes Firmengelände am südöstlichen Stadtrand in Müggelheim, das längst ein grüner Lost Place ist. Seit Jahren ranken sich Hoffnungen und Enttäuschungen um dieses Grundstück. Nun scheinen die Würfel gefallen zu sein.
Die 20.000 Quadratmeter große Fläche zwischen Müggellandstraße und Müggelheimer Damm wirkt wie eine vergessene Insel, ehemals ein Unternehmen für Baustoffe. Die Natur hat sich vieles zurückgeholt. Pläne, hier ein modernes Spaßbad für den wachsenden Bezirk Treptow-Köpenick zu errichten, waren jahrelang im Gespräch, scheiterten aber schließlich an der Finanzierung. Das ist bitter, denn gerade Familien in den südöstlichen Kiezen wünschen sich mehr öffentliche Freizeitangebote. „Es ist frustrierend, wenn solche Infrastrukturprojekte immer wieder auf der Strecke bleiben“, sagte mir kürzlich eine Anwohnerin, die seit Jahrzehnten hier lebt. Dieser Ton der Resignation ist mir aus vielen Gesprächen über Stadtplanung vertraut.
Jetzt liegt der Fokus der Bezirkspolitik eindeutig auf der Schaffung von Wohnungen. Angesichts der anhaltend angespannten Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist das kaum verwunderlich. Etwa 180 neue Wohnungen sind in den Plänen für das Gelände vorgesehen. Es ist dieser klassische Interessenkonflikt: Braucht eine wachsende Stadt zuerst
- bezahlbare Wohnungen
- dringend benötigte soziale Einrichtungen
- Öffentliche Freizeitangebote
- Familienfreundliche Infrastruktur
- Grünflächen
- Kita-Plätze
Eine einfache Antwort gibt es selten. Aus meiner Erfahrung in Baden-Württemberg weiß ich: Solche Umwidmungen sind oft langwierig und emotional. Ein Lost Place ist nie nur Brache, er ist auch Erinnerung und manchmal auch eine stille Hoffnung für die Anwohner. Die Enttäuschung über das gescheiterte Bad bleibt spürbar. Doch die Bereitschaft, pragmatisch nach Lösungen zu suchen, scheint groß. Die neuen Wohnungen könnten eine Chance sein, jungen Familien und Menschen mit mittleren Einkommen das Leben in dem beliebten, naturreichen Stadtteil zu ermöglichen. Die Planungen laufen im Hintergrund weiter.
Was kommt also als Nächstes? Die formellen Verfahren der Bauleitplanung stehen an, und dann wird es darauf ankommen, wie die neuen Gebäude in das grüne Umfeld eingefügt werden. Wird es gelingen, mit dem Wohnungsbau auch einen Teil der verlorenen Infrastruktur zu kompensieren, etwa mit Kita-Plätzen oder Grünflächen? Die Menschen in Müggelheim werden genau hinschauen. Letztlich zeigt dieser eine Fall im Kleinen, worum es in der großen Berliner Wohnungsfrage immer geht: um das Abwägen zwischen dringenden Bedürfnissen und knappen Mitteln – und darum, welche Art von Stadt wir in Zukunft leben wollen.
| Aspekte | Details |
|---|---|
| Fläche | 20.000 Quadratmeter |
| Standort | Müggelheim |
| Geplanter Wohnungsbau | 180 neue Wohnungen |
| Frustration der Anwohner | Öffentliche Freizeitangebote fehlen |
| Künftige Maßnahmen | Bauleitplanung |
| Fokus | Schaffung von Wohnraum |