Die Bilder aus Mannheim gestern Abend haben mich an meine ersten Berichte von Fußballspielen in Baden-Württemberg erinnert. Damals ging es um Derby-Stimmung, um Leidenschaft. Was im Stadion am Alsenweg stattfand, war etwas völlig anderes: Über 100 Verletzte, darunter 35 Polizisten, Pyro, die minutenlang brannte, und eine angespannte Lage, die fast zum Abbruch führte. Das ist keine Fan-Kultur mehr. Das ist blanke Kriminalität.
„Das Maß ist überschritten“, sagte Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber völlig richtig. Allein der Satz zeigt die Hilflosigkeit. Auf dem Platz siegte der 1. FC Kaiserslautern mit 1:0, aber der eigentliche Verlierer war der Fußball. FCK-Chef Thomas Hengen fordert nun „härtere Strafen“ und sagt: „Das Stadion darf kein rechtsfreier Raum sein.“ Eine bittere Erkenntnis nach einem Abend, an dem knapp 1.400 Polizeikräfte einen rechtsfreien Raum verhindern mussten.
Die Polizei ermittelt jetzt in alle Richtungen – von Landfriedensbruch bis zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Die Gewerkschaft der Polizei geht noch weiter. Ihr Vorsitzender Thomas Mohr will, dass Vereine für den enormen Polizeiaufwand bei Hochrisikospielen bezahlen. Sein Kollege Andreas Roßkopf hält Geldstrafen für nicht mehr ausreichend. Seine Forderung: Spielabbruch und Disqualifikation wären die richtigen Konsequenzen gewesen.
- Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) gibt den Ton vor
- Wer Sicherheitskräfte verletze, sei „kein Fan, sondern ein Krimineller“
- Die Frage ist: Werden diese Worte auch Taten folgen?
- Der DFB wertet aus, lange Sperren und hohe Geldstrafen sind wahrscheinlich
- Braucht es ganz neue Ansätze – vielleicht sogar vom Gesetzgeber?
- Die Verantwortung liegt jetzt bei den Vereinen, dem Verband
Nach fast zwanzig Jahren in diesem Job weiß ich: Solche Gewalt explodiert nicht aus dem Nichts. Sie gärt. Sie speist sich aus einer Rivalität, die längst über Sport hinausgeht. Die Verantwortung liegt jetzt bei den Vereinen, dem Verband und der Politik, gemeinsam eine Linie zu finden. Die Alternative ist unerträglich: dass irgendwann nicht nur das Spiel, sondern der ganze Fußballabbruch bedroht ist.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Verletzte | Über 100, darunter 35 Polizisten |
| Polizeikräfte | Knapp 1.400 im Einsatz |
| FCK-Chef | Thomas Hengen |
| Sicherheitsmaßnahmen | Forderung nach härteren Strafen |
| Innenminister | Manuel Hagel (CDU) |
| Gewerkschaftsanliegen | Vereine sollen für Polizeikosten zahlen |