5247 Schutzwesten, die nicht halten, was ihr Hersteller verspricht. In Berlin müssen tausende Einschubplatten für Polizeiwesten aussortiert werden, weil ihre Panzerung vorzeitig versagt. Ein Kontrollbeschuss in Mellrichstadt ergab: Platten aus dem Jahr 2017, die eigentlich zehn Jahre schützen sollten, wurden durchschossen. Für die Steuerzahler wird das teuer – etwa 1,2 Millionen Euro für Ersatz. Innensenatorin Iris Spranger spricht von einem „skandalösen Qualitätsmangel“ und droht der Herstellerfirma Rheinmetall mit Schadenersatzklage.
Das Timing könnte kaum brisanter sein. Die Berliner Polizei wird immer häufiger zu Schießereien gerufen, die Szene ist „durchbewaffnet“. Diese Westen waren Teil des Anti-Terror-Pakets nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz. Sie sollten Schutz vor Hartkernmunition bieten. Jetzt tragen Beamte in Hundertschaften vorübergehend Pool-Westen, eine ungewohnte und vielleicht beunruhigende Situation. Besonders pikant: Die getesteten Platten waren „jungfräulich“, also nie im Einsatz. Das Versagen liegt allein am Material.
Rheinmetall, ein Rüstungsriese mit Rekordgewinnen, betont, man nehme die Vorwürfe „sehr ernst“ und arbeite an einer Lösung. Doch das Vertrauen ist erschüttert. CDU-Politiker Burkard Dregger fordert zurecht Beschusstests bereits bei der Auslieferung. Und das Problem könnte größer werden: Weitere 4209 Platten aus den Jahren 2018 und 2019 stehen noch auf dem Prüfstand.
- Schutzwesten versagen vorzeitig
- Kosten für Steuerzahler betragen 1,2 Millionen Euro
- Innensenatorin spricht von „skandalösem Qualitätsmangel“
- Rheinmetall betont ernsthafte Auseinandersetzung mit Vorwürfen
- 4409 Platten aus 2018 und 2019 auf dem Prüfstand
- Politik muss Abnahmepraxis überprüfen
Die Lehre aus Berlin geht über die Hauptstadt hinaus. Sie zeigt, wie fragil die Sicherheit unserer Einsatzkräfte sein kann, wenn sich die Qualitätskontrolle in milliardenschweren Konzernen als Lücke erweist. Öffentliche Aufträge verpflichten zu absoluter Verlässlichkeit – hier wurde sie offenbar verspielt. Die Politik muss jetzt nicht nur Schadensersatz fordern, sondern auch die Abnahmepraxis für lebenswichtige Ausrüstung in ganz Deutschland überprüfen. Die Sicherheit derer, die uns schützen, darf nie vom Kleingedruckten einer Garantie abhängen.
| Jahr | Anzahl der Platten | Status |
|---|---|---|
| 2017 | 5247 | Mussten ausgesondert werden |
| 2018 | 4209 | Auf dem Prüfstand |
| 2019 | 4209 | Auf dem Prüfstand |