Hier in Hamburg ist das Netzwerk der Zukunft für viele schon greifbar – aber längst noch nicht für alle. Laut dem Breitbandatlas der Bundesnetzagentur haben 80 Prozent aller Privathaushalte eine Glasfaserleitung in ihrer Straße. Das klingt nach einer beeindruckenden Zahl, auf die die Stadt stolz sein kann. Doch wer, wie ich, seit Jahren durch die Viertel unserer Stadt unterwegs ist, der weiß: Diese Zahl erzählt nur die halbe Geschichte. Der Blick auf die Karte offenbart eine Spaltung. Im Bezirk Nord sind es über 90 Prozent, während Bergedorf mit 68 Prozent das Schlusslicht bildet. Die Lücke zwischen Zentrum und Randbezirken ist kein Zufall, sondern ein wirtschaftliches Kalkül.
Fabian Gerken von der städtischen Koordinierungsstelle erklärt es mir so: „Wenn wir im ländlichen Bereich Einfamilienhäuser haben, dann gibt es eben weniger Haushalte und es wird schwieriger, die Kosten zu decken.“ Die Telekommunikationsunternehmen bauen dort, wo es sich am schnellsten rechnet. Das Ergebnis sind schnelle Kupferkabel in dicht besiedelten Straßen in Eimsbüttel und langsame Datenflüsse in den Walddörfern. Die Folge spüren die Menschen dort täglich. „Wenn schnelles Internet nicht zu den Menschen und Betrieben kommt, müssen die Menschen zum schnellen Internet pendeln“, warnt Dirk Kannengießer, FDP-Fraktionsvorsitzender in Harburg. Mehr Verkehr, weniger Attraktivität für Betriebe – ein Teufelskreis für die Außenbezirke.
Ich erinnere mich an Gespräche in Bergedorf, wo frustrierte Anwohner von abgebrochenen Ausbauplänen der Deutschen Glasfaser berichteten. Die staatliche Förderung kann hier nur eingreifen, wenn der Ausbau komplett stockt – und das ist laut Gerken wegen der insgesamt guten Hamburger Quote nicht der Fall. Es ist ein typisches Henne-Ei-Problem. Der Senat peilt ein flächendeckendes Netz bis 2030 an. Die Hoffnung liegt nun auf neuen Werkzeugen, wie einem digitalen Baustellenplan, der Doppelarbeiten verhindern soll, und dem vermehrten Einbau von Leerrohren bei städtischen Bauprojekten. Das sind pragmatische Schritte, die zeigen, dass die Verwaltung die Bürokratie als Hemmnis erkannt hat.
- Glasfaserleitungen in 80 Prozent der Haushalte
- Über 90 Prozent im Bezirk Nord
- Bergedorf hat 68 Prozent
- Wirtschaftliches Kalkül der Telekommunikationsunternehmen
- Steigende Verkehrsdichte durch Pendeln
- Digitale Werkzeuge zur Verbesserung
Trotzdem bleibt die Frage: Warten die Menschen in Harburg und Bergedorf bis zum Ende des Jahrzehnts auf gleiche Chancen? Die digitale Teilhabe darf keine Frage der Postleitzahl sein. Der Fortschritt im Norden der Stadt muss ein Versprechen für den Süden sein. Es geht nicht nur um schnellere Filme, sondern um die Grundlage für Homeoffice, digitale Bildung und ein modernes Gewerbe. Hamburg hat die Ambition, eine digitale Spitzenstadt zu sein. Dazu gehört, dass dieses Netz auch die letzten Wurzeln unserer Stadt erreicht – und nicht nur die dicht besiedelten Äste in der Mitte.
| Bezirke | Glasfaseranteil (%) |
|---|---|
| Bezirk Nord | 90 |
| Bergedorf | 68 |
| Gesamt Hamburg | 80 |
Mehr dazu beim Breitbandatlas der Bundesnetzagentur.