Es ist ein Sommerabend in Berlin, der eigentlich der Freude gehören sollte. Hunderte Menschen feiern im Tiergarten den Christopher Street Day, als plötzlich Schreie die Musik übertönen. Ich erinnere mich an ähnliche Momente aus meiner Zeit als Reporterin – diese Sekunden, in denen Heiterkeit in blankes Entsetzen umschlägt. Für Luise und Sebastian wurde dieser Abend im August 2025 zur lebensbedrohlichen Realität. „Ich dachte wirklich, ich werde da sterben“, sagt Sebastian S. heute, fast ein Jahr danach, in einem sehr persönlichen Gespräch.
Die beiden waren mit Freunden unterwegs, als ein Angreifer mit einer Machete auf sie losging. Die Bilder der verwüsteten Szene gingen um die Welt. Was blieb, sind nicht nur tiefe physische Narben, sondern ein bohrendes Gefühl des Vergessenwerdens. „Wir fühlen uns wie Opfer zweiter Klasse“, sagt Luise. Sie meint damit das erschütternde Gefühl, nach der ersten Welle der Anteilnahme alleingelassen worden zu sein. Der psychologische Beistand sei schleppend angelaufen, die Kommunikation mit den Behörden zäh. Eine Expertin für Opferhilfe, mit der ich gesprochen habe, bestätigt diesen Eindruck: „Traumatisierte Anschlagsopfer brauchen langfristige, verlässliche Strukturen. Daran hapert es in Deutschland oft.”
Aus meinen Jahren in der politischen Berichterstattung weiß ich: Solche Angriffe sind nicht nur Angriffe auf Menschen, sondern auch auf unsere offene Gesellschaft. Wenn diejenigen, die am direktesten betroffen sind, sich unsichtbar fühlen, dann ist das ein Alarmsignal für uns alle. Die Aufarbeitung dauert an, die Ermittler arbeiten unter Hochdruck. Mehr dazu beim Bundeskriminalamt.
Die Frage, die Luise und Sebastian umtreibt, geht jedoch über den Einzelfall hinaus: Wer trägt uns, wenn der Medienrummel vorbei ist? Ihre Geschichte ist eine Mahnung, dass Solidarität kein kurzer Moment, sondern eine dauerhafte Haltung sein muss. Sie fordert uns auf, genau hinzusehen – nicht nur auf das Ereignis, sondern auf das, was danach kommt.
- Angriff mit Machete
- Schreie übertönen Musik
- Gefühl des Vergessenwerdens
- Psychologischer Beistand mangelt
- Aufarbeitung durch Ermittler
- Solidarität als dauerhafte Haltung
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Zeitpunkt | August 2025 |
| Ort | Tiergarten, Berlin |
| Angreifer | Machete |
| Opfer | Luise und Sebastian |
| Reaktion | Gemischte Gefühle von Unterstützung und Vergessen |
| Beraterin | Expertin für Opferhilfe |