Die ersten Trauben sind gepflückt, die Zelte des Stuttgarter Weindorfs stehen. Während die Besucher hier unbeschwert feiern, treibt viele Winzer im Neckartal eine ernste Frage um: Wie lange trägt der Weinbau den Klimawandel noch? Rüdiger Lebrecht vom Collegium Wirtemberg spricht Klartext: „Es wird sehr viel weniger Trauben sein.“ Drei Dürrejahre in Folge seien kein Zufall mehr, sondern eine bedrohliche Tendenz. Er sieht Folgeprobleme im Keller und weiß von Kollegen, die über das Aufhören nachdenken. Eine düstere Perspektive für eine Kulturlandschaft, die wie kaum eine andere für Württemberg steht.
Sebastian Häußer von der Felsengartenkellerei Besigheim wirkt da deutlich gelassener. Sein Rezept? Frühzeitige Anpassung. Seit dem extremen Hitzesommer 2003, der für ihn ein Wendepunkt war, hat sein Betrieb umgestellt. Das größere Problem sei heute paradoxerweise nicht die Hitze, sondern der Spätfrost. Wenn die Reben durch die wärmeren Frühlinge früher austreiben, treffen sie unweigerlich auf die „Eisheiligen“. Ein Dilemma, für das es keine einfache Lösung gibt.
Sein Betrieb setzt daher auf ein Bündel von Maßnahmen:
- speziellen Unterlagenreben
- tieferwurzelnden Reben
- kluges Bodenmanagement
- sparsame Tröpfchenbewässerung
- pflanzliche Widerstandsfähigkeit
- langfristiger Qualitätsanspruch
Vor allem aber pflanzt man seit Jahren nur noch pilzwiderstandsfähige Rebsorten. „Das ist für uns die Zukunft“, sagt Häußer. Diese Strategie ist nicht billig, und die Erträge sind im Schnitt geringer. Dafür, so seine Überzeugung, sichert sie die Qualität und damit die Existenz. Die Auszeichnung zur besten Weingärtnergenossenschaft Deutschlands scheint ihm recht zu geben.
Aus meiner Zeit in der Berichterstattung in Baden-Württemberg weiß ich: Der Weinbau hier ist mehr als ein Wirtschaftszweig. Er ist Identität. Die Diskussion in den Weinbaugemeinden zeigt einen grundlegenden Wandel. Es geht nicht mehr um bloßes Überstehen eines schlechten Jahres, sondern um eine dauerhafte Transformation. Einige, wie Häußer, haben diese Herausforderung als Innovationstreiber angenommen. Für andere wird der Druck zu groß sein. Die diesjährige, wohl deutlich kleinere Ernte wird wieder eine Bewährungsprobe.
| Problem | Auswirkung | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Dürre | Weniger Trauben | Frühzeitige Anpassung |
| Spätfrost | Schäden an Reben | Spezielle Unterlagenreben |
| Klimawandel | Langfristige Transformation | Bewässerungssysteme |
| Ertragsrückgang | Wirtschaftliche Unsicherheit | Pilzwiderstandsfähige Rebsorten |
| Qualitätsverlust | Image des Weinbaus | Langfristige Strategien |
| Wettbewerb | Marktstellung gefährdet | Innovationsförderung |
Sie führt uns vor Augen: Selbst unsere traditionsreichsten Kulturlandschaften müssen sich neu erfinden, um zu überdauern. Die Frage ist, wie viele diesen Weg mitgehen können.