Diese Meldung macht mir große Sorgen. Schon seit meiner Zeit in Baden-Württemberg habe ich beobachtet, wie Protestkultur von radikalen Minderheiten unterwandert werden kann. Das, was wir heute in Berlin sehen, ist ein gefährliches Gemisch aus legitimer Wut und gewaltbereiter Mobilisierung.
Die Faktenlage ist klar. Für den 31. Oktober sind Demonstrationen in Berlin und 20 weiteren Städten angemeldet. Allein hier rechnet die Polizei mit 10.000 Teilnehmern, die gegen Sozialabbau und Kriegspolitik protestieren wollen. Doch in geschlossenen Telegram-Gruppen kursieren ganz andere Pläne. Dort ist von Steinwürfen und selbstgebauter Munition die Rede. Ein Nutzer schreibt sogar, er wolle aus Berlin ein Schlachtfeld machen.
Zwischen diesen radikalen Aufrufen und den offiziellen Organisatoren besteht nach aktuellem Stand keine nachgewiesene Verbindung. Die Initiative Gen Z, die bundesweit mobilisiert, distanziert sich ausdrücklich von Gewalt. Ihr Sprecher Gianni Matheja betont den friedlichen Charakter der Proteste. Doch Stephan Weh, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Berlin, bringt die Angst der Sicherheitskräfte auf den Punkt. „Wir müssen höllisch aufpassen, dass radikale Kräfte demokratischen Protest nicht wie in Frankreich für sich vereinnahmen,“ sagt er mir in einem Telefonat. Die Bilder aus Paris, wo Proteste gegen die Lebenshaltungskosten in Plünderungen und brennende Barrikaden umschlugen, sind allen noch lebhaft im Gedächtnis.
Was genau hinter den Kulissen geplant wird, bleibt oft im Dunkeln. Das erlebte ich selbst an der Freien Universität. Eine öffentlich beworbene Aktionsversammlung unter dem Motto „Unis gegen Krieg“ fand plötzlich hinter verschlossenen Türen statt. Journalisten wurden der Zutritt verweigert. Die etwa 50 Teilnehmer wirkten angespannt und äußerst zurückhaltend, wie mir ein Kollege vor Ort berichtete. Die Polizei wartete derweil draußen. Solche Intransparenz schürt Misstrauen.
Die Linke-Chefin Ines Schwerdtner wirft der Presse indes „Angst- und Panikmache“ vor. In einer Videokonferenz sagte sie, der Protest richte sich gegen die herrschende Politik und nicht gegen kleine Läden. Das mag die Intention der meisten sein. Die Frage ist, wer am Ende das Geschehen auf der Straße bestimmt. Das Bundesinnenministerium beobachtet die radikale Mobilisierung nun verstärkt. Die Bundespolizei soll grenzüberschreitende Gewalttäter abweisen.
- Protestkultur von radikalen Minderheiten unterwandert
- Demonstrationen am 31. Oktober in Berlin und 20 weiteren Städten
- Polizei rechnet mit 10.000 Teilnehmern
- Telegram-Gruppen mit gewalttätigen Plänen
- Initiative Gen Z distanziert sich von Gewalt
- Bundesinnenministerium beobachtet radikale Mobilisierung
| Fakten | Details |
|---|---|
| Datum | 31. Oktober |
| Städte | Berlin, 20 weitere |
| Teilnehmer | 10.000 |
| Radikale Gruppe | Gen Z |
| Polizei | Bundespolizei abwehren |
| Protestmotivation | Sozialabbau und Kriegspolitik |
Die eigentliche Tragödie wäre, wenn die berechtigten Anliegen einer ganzen Generation im Lärm der Gewalt untergehen. An diesem 31. Oktober wird sich zeigen, ob Berlin eine Debatte der Straße führen kann – oder nur eine Schlacht.