Am Samstagnachmittag bestimmte ein ungleiches Bild das Straßenbild in Baden-Württembergs Städten. Während in Freiburg und Mannheim Tausende junge Menschen friedlich für ihre Zukunft demonstrierten, eskalierten die Proteste in Stuttgart. Die Polizei dort musste den Zug mehrmals stoppen. Grund waren vermummte Personen, abweichende Routen und der Einsatz von Pyrotechnik. Über 3.000 Teilnehmer zählte die Polizei in der Landeshauptstadt, die Veranstalter sprachen von fast 12.000. Rauchtöpfe waren schon vor dem Start gezündet worden.
Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte zum bundesweiten Protest aufgerufen. Ihre Forderungen sind klar: ein bezahlbares Leben, Investitionen in Schulen und Klimaschutz, keine neuen Sparlasten für die junge Generation. Auf den Demos waren aber auch andere Parolen zu hören, etwa pro Palästina oder pauschal gegen Staat und Polizei. Innenminister Manuel Hagel (CDU) hatte vor einer Unterwanderung durch Extremisten gewarnt. Einige Stuttgarter Geschäfte hatten ihre Schaufenster vorsorglich mit Holzplatten verbarrikadiert – eine Reaktion auf die ausufernden Proteste im französischen Nachbarland.
| Stadt | Teilnehmer | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Freiburg | 3.500 | Ohne nennenswerte Störungen |
| Mannheim | 2.000 | Friedlicher Zug durch die Straßen |
| Stuttgart | Über 3.000 | Mehere Unterbrechungen |
| Ulm | 800 | Friedliche Proteste |
Die Polizei berichtete, die Versammlungsleitung habe die Kooperation verweigert. Es gab vereinzelte Sachbeschädigungen, Graffiti und brennende Mülleimer. „Das wird nicht geduldet und die Verantwortlichen erwarten Konsequenzen“, stellte das Präsidium klar. Ganz anders die Lage in anderen Städten. Aus meiner langjährigen Berichterstattung in Baden-Württemberg weiß ich, wie schnell sich die Stimmung bei Großdemonstrationen verändern kann. Die allermeisten jungen Menschen wollen einfach nur ihre berechtigten Anliegen artikulieren. Doch eine kleine, aggressive Minderheit kann den gesamten Protest diskreditieren. Die Initiative „Gen Z regelt“ distanzierte sich ausdrücklich von Gewalt. Auch der Landesschüler- und der Landesjugendbeirat riefen zu friedlichen Protesten auf.
- Bezahlbares Leben
- Investitionen in Schulen
- Klimaschutz
- Keine neuen Sparlasten
- Friedliche Proteste
- Distanzierung von Gewalt
Die Bilder vom Samstag zeigen eine tiefe Verunsicherung. Auf der einen Seite steht eine Generation, die sich um ihre Zukunft betrogen fühlt. Auf der anderen Seite eine Polizei, die ihre Grenzen gezogen hat. Die große Frage ist nun, wie die politisch Verantwortlichen auf diese Gemengelage reagieren. Werden sie die friedlichen Kernforderungen der Jugend ernst nehmen? Oder dominiert am Ende nur der Blick auf die Gewalt einiger weniger? Die jungen Menschen in Freiburg und Mannheim haben bewiesen, dass laute Proteste auch respektvoll gehen können. Das sollte der Maßstab für die Debatte der kommenden Tage sein.