Mehr als 400.000 interne E-Mails der AfD sind seit kurzem im Internet frei zugänglich. In Hamburg, wo ich heute mit Kollegen sprach, spürt man die gespannte Erwartung: Was steckt wirklich in diesem riesigen Datenberg und wer hat ihn veröffentlicht? Investigativjournalisten wie Gabor Halasz vom MDR sitzen jetzt vor der Mammutaufgabe, diese Informationen zu sichten. „Wenn ich allein ein Jahr Zeit hätte“, sagt er, „müsste ich über 1.000 E-Mails pro Tag lesen. Das schafft man nicht.”
Der erste Blick zeigt kein klares Bild. Es ist ein großes, ungeordnetes Archiv. Man kann Namen oder Stichworte eingeben und stößt auf bekannte Gesichter aus der dreizehnjährigen Parteigeschichte. Man findet die aktuellen Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla, aber auch ihre Vorgänger. Besonders aufschlussreich sind die Mails rund um den gescheiterten Versuch, Björn Höcke 2017 aus der Partei auszuschließen. Damals wollten Weidel und Frauke Petry ihn nach seiner umstrittenen Dresdner Rede loswerden. Nun kann man nachlesen, wie die Spitzenpolitiker damals scheiterten.
Es gibt keine einzelne E-Mail, die alles verändert. Aber diese Dokumente liefern wichtige Puzzleteile für laufende Recherchen. Nehmen Sie die Spendenaffäre um Alice Weidel aus dem Jahr 2018. Sie sagte damals, sie habe erst später von bestimmten Wahlkampfspenden erfahren. Jetzt zeigt das Leak, dass sie Monate vorher ganz allgemein über Spenden sprach und darum bat, ihr Konto auf Eingänge zu überprüfen. Das ist kein direkter Beweis für eine Lüge, aber es ist ein Ansatzpunkt, um tiefer zu graben. Halasz betont: „Das sind oftmals viele interessante Ansätze.”
- Aktuelle Vorsitzende Alice Weidel
- Tino Chrupalla
- Björn Höcke und sein gescheiterter Ausschluss
- Spendenaffäre von 2018
- Gefälschte E-Mails auf Social Media
- Öffentliche Interessen und Recherchepflicht
Aktuell kursieren auf Social Media bereits gefälschte E-Mails. Einige Nutzer haben sich aus Bausteinen des Leaks eigene Mails zusammengebaut, offenbar um der AfD zu schaden. Journalisten müssen daher besonders vorsichtig sein. „Wir wissen nicht hundertprozentig, ob alle E-Mails echt sind,” sagt Halasz. „Aber kann man vierhunderttausend Mails mal so einfach fälschen?” Die Informationen müssen stets mit bekannten Fakten abgeglichen und die Beschuldigten vor einer Veröffentlichung konfrontiert werden.
Die AfD selbst bezeichnet die Veröffentlichung als illegale Straftat und Angriff auf die Demokratie. Sie weigert sich, die Inhalte zu kommentieren. Diese Strategie des Leugnens und Diskreditierens von Recherchequellen kennt man bereits von anderen Affären, etwa in Sachsen-Anhalt. Medien dürfen die Daten dennoch auswerten. Ihre Aufgabe ist es, Missstände aufzudecken, solange sie ihre Sorgfaltspflicht wahren und das öffentliche Interesse gegeben ist.
Für uns als Gesellschaft stellt sich eine Frage: Was lernen wir über eine Partei, die seit über einem Jahrzehnt die politische Landschaft prägt? Dieser Leak bietet eine beispiellose Innensicht. Die Aufarbeitung wird Monate dauern und immer wieder neue Details zutage fördern. Sie zeigt vor allem eines: In der Politik geht es oft weniger um große Enthüllungen, sondern um das mühsame Zusammensetzen vieler kleiner Teile. Die Wahrheit ist selten eine einzige E-Mail. Sie ist ein Mosaik aus hunderttausenden.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Dokumentenanzahl | Über 400.000 E-Mails |
| Aktuelle Vorsitzende | Alice Weidel, Tino Chrupalla |
| Björn Höcke | Gescheiterter Ausschluss 2017 |
| Spendenaffäre | Alice Weidel, 2018 |
| Fälschungen | Auf Social Media verbreitet |
| Äußerung der AfD | Illegale Straftat |