In mehreren Städten Baden-Württembergs bereiten sich junge Menschen heute auf Proteste vor. In Stuttgart, Mannheim, Freiburg, Ulm und Karlsruhe wollen sie für ihre Zukunft auf die Straße gehen. Die Initiative «Gen Z regelt» hat dazu aufgerufen. Sie fordert ein bezahlbares Leben, Investitionen in Bildung und konsequenten Klimaschutz. Ihr wichtigster Satz lautet: «Wir wollen mitbestimmen, wenn über unsere Zukunft entschieden wird.»
Die Erwartungen sind gespalten. Während die Organisatoren in Stuttgart online über 13.000 Interessenten sehen hat die Stadt selbst nur 6.000 Teilnehmer angemeldet. Eine ähnliche Lücke zeichnet sich in anderen Städten ab. Aus meiner Erfahrung mit Protesten in Baden-Württemberg sagt eine hohe Online-Reichweite nicht automatisch eine ebenso hohe Mobilisierung auf der Straße voraus. Die Bereitschaft ein Statement zu klicken ist oft größer als die stundenlang auf einem Platz zu stehen. Dennoch zeigen diese Zahlen eine breite Unzufriedenheit.
Innenminister Manuel Hagel von der CDU hat mehrfach vor möglichen Ausschreitungen gewarnt. «Im Netz werden diese Bilder teils als Vorbild geteilt,» sagte er mit Blick auf die teils gewaltsamen Proteste in Frankreich. Seine Botschaft ist doppelt: Die Polizei schützt friedlichen Protest muss sich aber auf Gewalt vorbereiten. Einige Geschäfte in den Innenstädten haben ihre Schaufenster bereits vorsorglich verbarrikadiert.
Die Forderungen der Jugendlichen treffen einen Nerv. Es geht um existenzielle Fragen:
- Wie sollen sie bei steigenden Mieten leben?
- Warum werden bei Bildung gespart?
- Was ist mit psychologischer Versorgung?
- Wie trägt die junge Generation die Lasten des Klimawandels?
- Wie sieht die Zukunft bei Staatsverschuldung aus?
- Sind sie wirklich unpolitisch?
Eine junge Aktivistin sagte mir kürzlich in Stuttgart: «Uns wird immer vorgeworfen, wir seien unpolitisch. Jetzt sind wir laut – und dann heißt es gleich, wir seien gewalttätig.» Das spiegelt die Frustration wider.
Ob aus der Frustration heute friedlicher Protest oder vereinzelte Gewalt wird entscheidet sich auf der Straße. Die Polizei ist in erhöhter Alarmbereitschaft. Die große Mehrheit der Demonstrierenden will sicherlich nur ihre Stimme erheben. Doch die Angst vor einer Eskalation wie in Paris schwebt über dem Tag. Es ist ein schmaler Grat zwischen legitimer Wut und zerstörerischer Gewalt. Die Gesellschaft muss zuhören was die junge Generation bewegt. Sonst bleibt am Ende nur der Schaden – an Gebäuden und am Vertrauen.
| Stadt | Online Interessenten | Anmeldungen |
|---|---|---|
| Stuttgart | 13.000 | 6.000 |
| Mannheim | Unbekannt | Unbekannt |
| Freiburg | Unbekannt | Unbekannt |
| Ulm | Unbekannt | Unbekannt |
| Karlsruhe | Unbekannt | Unbekannt |