Hier in Essen herrscht Enttäuschung und viele Fragen. Die alte Steeler Kirmes, die diesen Samstag auf dem Festplatz an der Frankenstraße hätte starten sollen, ist in letzter Minute abgesagt worden. Das teilte der Verband der Schausteller und Marktkaufleute jetzt mit. Für viele Familien war das die erste Kirmes im Jahr, ein echtes Stück Heimat. Plötzlich steht das Festgelände leer.
«Wir haben keine andere Wahl gehabt», sagt Verbandsvorsitzender Markus Keller zu mir am Telefon. Die Absage kommt nicht wegen schlechten Wetters. Der Grund ist ein bürokratisches und vor allem finanzielles Problem. Nach jahrelangen Verhandlungen mit der Stadt konnte keine Einigung über die neuen Standgebühren erzielt werden. «Die Kosten für Energie, Material und Personal sind explodiert,» erklärt Keller. «Die von der Stadt vorgeschlagenen Gebühren würden für viele unserer Betriebe die Gewinnschwelle unmöglich machen.» Es sei ein verzweifelter Schritt gewesen.
Ich erinnere mich noch gut an die Kirmes vor ein paar Jahren, als ich für einen Bericht dort war. Der Duft von gebrannten Mandeln, das Lachen der Kinder auf dem nostalgischen Karussell – das war mehr als nur ein Rummel. Es war ein sozialer Treffpunkt für den ganzen Stadtteil. Genau dieses Gefühl von Gemeinschaft fehlt jetzt. Eine Anwohnerin, Frau Bergmann, die ich auf dem nun leeren Platz treffe, sagt: «Das ist schlimm. Für die Kinder ist das ein Highlight. Und für uns Ältere auch, man trifft Nachbarn, plaudert. Jetzt ist hier einfach nur tot.»
Was kommt als nächstes? Die Stadt Essen betont in einer Stellungnahme, man sei weiterhin im Gespräch. Aber Zeit drängt. Die nächste große Kirmes im Herbst, die weitaus größere Essener Großmarkt-Kirmes, könnte von diesem Konflikt ebenfalls betroffen sein. Die Schausteller befürchten eine Signalwirkung. Für sie geht es ums Überleben eines ganzen Berufsstands in Zeiten steigender Preise.
Es ist ein stiller Samstag in Steele geworden. Statt Musik und Jahrmarktslichtern gibt es nur Absperrbänder. Die Absage einer solchen Tradition zeigt, wie sehr auch scheinbar feste Institutionen unter dem Druck von Inflation und Bürokratie stehen. Sie hinterlässt nicht nur einen leeren Platz, sondern auch eine spürbare Lücke im Leben der Menschen hier. Ob und wie diese Lücke wieder gefüllt wird, ist völlig offen.
- Enttäuschung unter der Bevölkerung
- Absage aufgrund finanzieller Probleme
- Fehlende Einigung über Standgebühren
- Nostalgie und Gemeinschaftsgefühl fehlen
- Gefährdung zukünftiger Veranstaltungen
- Einfluss von Inflation und Bürokratie
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Veranstaltung | Steeler Kirmes |
| Absagegrund | Bürokratische und finanzielle Probleme |
| Verbandsvorsitzender | Markus Keller |
| Emotionen | Enttäuschung, Nostalgie |
| Folgen | Leerer Platz, Verlust von Gemeinschaft |
| Zukünftige Kirmes | Essener Großmarkt-Kirmes |