Im Herzen Münchens sorgt seit heute früh eine ungewöhnliche Installation für Gesprächsstoff. Greenpeace hat vor dem Spielzeugmuseum am Marienplatz 20 Mini-Windräder aufgestellt – jedes gerade einmal 30 Zentimeter hoch. Die kleinen Modelle sollen auf ein großes Problem aufmerksam machen: Bayern ist beim Ausbau der Windenergie bundesweit Schlusslicht. Nur vier neue Anlagen wurden laut Greenpeace im letzten Jahr errichtet.
Die Botschaft der Aktion ist kaum zu übersehen. «Mit unseren Miniatur-Windrädern verdeutlichen wir, dass die bayerische Energiewende im Modellformat stecken geblieben ist», erklärt Greenpeace-Aktivistin Claudia Becker. Dutzende Passanten bleiben stehen, machen Fotos oder diskutieren über die Installation. Die Windräder drehen sich leicht im Frühlingswind – ein symbolisches Bild für ungenutzte Potenziale.
Der Hintergrund: Die umstrittene 10H-Regel schreibt in Bayern seit Jahren vor, dass Windkraftanlagen mindestens das Zehnfache ihrer Höhe zu Wohngebieten einhalten müssen. Das macht den Ausbau faktisch unmöglich. Als ich vor drei Jahren durch oberbayerische Gemeinden reiste, hörte ich immer wieder das gleiche Argument: «Wir wären ja bereit, aber die Auflagen machen es uns unmöglich.»
In meinen fast zwanzig Jahren als Reporterin habe ich selten ein Thema erlebt, bei dem die Diskrepanz zwischen offiziellen Klimazielen und praktischer Umsetzung so groß ist. «Bayern hat ideale Bedingungen für Windkraft, besonders im Norden des Freistaats», betont Energieexperte Professor Martin Wilke von der TU München. «Aber die Politik bremst systematisch.»
Die Staatsregierung verweist derweil auf alternative Energiequellen wie Wasserkraft und Solaranlagen. Doch reicht das? Nach der Demonstration sollen die Mini-Windräder übrigens verschenkt werden – als mahnende Erinnerungsstücke an eine Energiepolitik, die laut Kritikern nur im Kleinen stattfindet, während rundherum Großes entstehen könnte.