Profifußballer sprechen selten offen über interne Vereinsentscheidungen. Wenn es passiert, horchen alle auf. Mitchell Weiser hat genau das getan – und dabei kein Blatt vor den Mund genommen. Während sein Comeback nach Kreuzbandriss kurz bevorsteht, nutzte der Werder-Profi die mediale Bühne für ungewöhnlich deutliche Worte. Seine Kritik? Die Verantwortlichen hätten den Verein in eine Richtung geführt, die er nicht mittragen will.
«Viele Dinge, die im letzten Sommer passiert sind, waren für mich fragwürdig», sagte Weiser bei Sky. Der 31-Jährige meinte damit nicht nur die Entlassung von Trainer Ole Werner. Auch Kaderentscheidungen bezeichnet er als «fahrlässig». Spieler seien gegangen, denen man jetzt nachtrauere. Was bemerkenswert ist: Weiser nennt konkret, was schiefgelaufen ist. In einer Branche, in der PR-geschulte Antworten Standard sind, wirkt diese Offenheit wie ein frischer Wind – oder ein Alarmzeichen.
Dabei geht es ihm nicht nur um Kritik. Weiser formuliert klare Erwartungen an die Zukunft. «Ich warte auf Signale, dass wir wieder in die Richtung gehen, in der wir mit Ole Werner waren», so der Rechtsaußen. Er will mit Werder um internationale Plätze spielen, nicht gegen den Abstieg kämpfen. Die Botschaft an den Verein? Entscheidet euch, wohin ihr wollt. Erst dann entscheide ich über meine Zukunft.
Weisers öffentliche Abrechnung zeigt, wie sehr digitale Medienkanäle die Machtverhältnisse im Profisport verschoben haben. Früher hätte ein Spieler solche Worte hinter verschlossenen Türen geäußert. Heute nutzt er Live-TV zur Halbzeit, und binnen Minuten diskutiert die Fanbase auf Social Media mit. Ob diese neue Transparenz Werder Bremen hilft oder schadet? Die kommenden Wochen werden es zeigen.