Der Verteidiger im Güstrower Mordprozess hat klare Worte gefunden. Andreas Ohm, der die Angeklagte Gina H. verteidigt, hält dem Verfahren am Landgericht Rostock einen Spiegel vor. Er kritisiert den Zeitdruck und dass möglichen neuen Spuren nicht genügend nachgegangen werde. „Bei einer Verhandlung mit solch schweren Rechtsfolgen ist es einfach absurd, diesen Ermittlungsansätzen nicht nachgehen zu wollen“, sagte er dem Nordkurier. Seine Mandantin, die Pferdesportlerin, bestreitet die Tat und belastet schwer einen Nachbarn.
Nach fast zwanzig Jahren in Gerichtssälen weiß ich: Ein solcher Vorwurf des Verteidigers ist mehr als nur Prozess-Taktik. Er berührt ein Grundprinzip. In einem Mordprozess, wo es um lebenslange Haft gehen kann, muss jede plausible Spur verfolgt werden, auch wenn sie vom ursprünglichen Ermittlungsbild abweicht. Die Staatsanwaltschaft sieht das offenbar anders. Dabei gibt Ohm selbst zu, dass es eine Vielzahl von Indizien gegen seine Mandantin gibt – von denen, so seine Einschätzung, nicht alle richtig sein sollen.
Die Atmosphäre in dem Prozess um den achtjährigen Fabian bleibt schwer erträglich. Vergangene Woche verlas die 30-jährige Angeklagte über vier Stunden lang ihre Einlassung. Sie beschuldigte darin einen 58-jährigen Nachbarn, den Verdacht auf sie gelenkt zu haben. Dieser Helfer bei ihren Pferden habe selbst „etwas von ihr gewollt“ und sei eifersüchtig gewesen. Ob der Mann, der bereits als Zeuge aussagte, noch einmal gehört wird, ist unklar. Ein Urtermin für den 10. September steht im Raum, aber ob er hält, ist fraglich. Die Verteidigung hat weitere Beweisanträge gestellt.
- Klare Worte des Verteidigers
- Vorwurf des Zeitdrucks
- Mangelndes Verfolgen neuer Spuren
- Vorwürfe gegen Nachbarn
- Staatsanwaltschaft sieht das anders
- Vertrauen der Öffentlichkeit betroffen
Am Ende geht es um mehr als nur diesen einen Fall. Es geht um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Strafjustiz. Wenn der Eindruck entsteht, Ermittlungen würden aus Gründen der Prozessökonomie eingeschränkt, leidet die Akzeptanz eines Urteils – egal wie es ausfällt. Die Wahrheitssuche braucht manchmal einfach ihre Zeit. Das ist unbequem, aber unverzichtbar.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Verteidiger | Andreas Ohm |
| Angeklagte | Gina H. |
| Verdacht | Nachbar |
| Urteilstermin | 10. September |
| Öffentliches Vertrauen | Betrifft die Strafjustiz |
| Ermittlungsansätze | Werden möglicherweise nicht verfolgt |