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NewsFact > Aktuelle Nachrichten > München: 14-Jähriger mit Softair-Waffe von Polizei angeschossen
Aktuelle Nachrichten

München: 14-Jähriger mit Softair-Waffe von Polizei angeschossen

Laura Brandt
Zuletzt aktualisiert: August 19, 2026 8:21 p.m.
Von
Laura Brandt
4 Min. Lesezeit
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In München-Schwabing geht jetzt ein Video um, das zeigt, wie zwei Polizeibeamte mit gezogenen Waffen auf einen jungen Mann zulaufen. Kurz danach fällt ein Schuss. Der 14-Jährige, der hier schwer verletzt am Boden liegt, hielt keine echte Waffe in der Hand, sondern eine täuschend echt aussehende Softair-Pistole. Ein tragischer Fehler in Sekundenbruchteilen. Die zentrale Frage, die mich als Reporterin umtreibt: Wie konnte es so weit kommen?

Die Fakten sind schnell erzählt: Ein Notruf meldete am Dienstagnachmittag einen Mann mit einer Pistole. Zivilbeamte fanden den Jugendlichen, forderten ihn auf, die Waffe fallen zu lassen. Als er sich umdrehte, schoss einer der Beamten. Später stellte sich heraus: Es war eine sogenannte Softair-Waffe, die einer echten Beretta bis auf eine schmale, rote Markierung an der Mündung zum Verwechseln ähnlich sah. „Von einer scharfen Schusswaffe nicht zu unterscheiden“, sagte Polizeisprecher Thomas Schelshorn. Der Junge, ein abgelehnter Asylbewerber aus der Türkei, wird nun wegen Bedrohung von Beamten ermittelt – er ist bereits polizeilich bekannt, bei vergangenen Verfahren ging es laut Informationen aber eher um „Schulhofqualität“.

Was bleibt, sind viele offene Fragen und eine tiefe Verunsicherung auf allen Seiten. Der junge Mann, der mit seinen Eltern 2023 nach Deutschland kam und nun mit einer Abschiebung droht, mag in einer ausweglos erscheinenden Situation gesteckt haben. Die Polizisten, die auf einen bewaffneten Mann trafen, handelten unter dem Druck, dass jede Sekunde über Leben und Tod entscheiden kann. Ich erinnere mich an Gespräche mit Polizeivertretern in Stuttgart, die immer wieder betonten: Solche Einsätze sind Höchstbelastung, eine Entscheidung muss in Millisekunden fallen. Das Landeskriminalamt prüft nun, wie immer in solchen Fällen, die Rechtmäßigkeit des Schusswaffeneinsatzes.

Die eigentliche Geschichte beginnt für mich aber viel früher. Bei einem 14-Jährigen, der mit einer täuschend echten Attrappe auf der Straße hantiert. In einer Gesellschaft, in der der Umgang mit solchen Spielzeugwaffen längst nicht mehr nur ein Jugendstreich ist, sondern eine reale Gefahr provoziert. Und bei einer Asylpolitik, die junge Menschen in eine Sackgasse laufen lässt, aus der heraus solch verzweifelte oder gedankenlose Handlungen erwachsen können. In den Krankenhäusern Münchens müssen Ärzte jetzt die körperlichen Wunden versorgen. Die seelischen bei allen Beteiligten – beim angeschossenen Jugendlichen, bei den Polizisten, bei den Zeugen – die werden sehr viel länger brauchen.

Wo ziehen wir die Linie zwischen jugendlichem Leichtsinn und einer Bedrohungslage, die einen finalen Schuss rechtfertigt? Diese Frage wird nun die Justiz beschäftigen. Aber sie sollte uns alle beschäftigen. Denn sie berührt unser aller Sicherheitsgefühl und unser Verständnis davon, wie wir in einer unter Druck stehenden Gesellschaft miteinander umgehen. Mehr zum Thema Waffeneinsatz der Polizei finden Sie beim Bayerischen Landeskriminalamt.

  • Jugendlicher mit Softair-Pistole
  • Polizeieinsatz unter Druck
  • Rechtmäßigkeit des Schusswaffeneinsatzes
  • Auslaufende Asylpolitik
  • Seelische Wunden aller Beteiligten
  • Öffentliche Sicherheitsfragen
Fakt Details
Alter des Jugendlichen 14 Jahre
Art der Waffe Softair-Pistole
Rechtsstatus Abgelehnter Asylbewerber
Ermittlungen Wegen Bedrohung von Beamten
Direkte Zeugen Polizisten und Zuschauer

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