Janina Laube kniet auf dem heißen Asphalt, während der Bus an der Haltestelle ruckelt. Ein gelbes Maßband strafft sich zwischen ihr und ihrer Kollegin Elisabeth Kornell. In diesen Sekunden, bevor die Ampel umspringt, wird eine unsichtbare Grenze sichtbar gemacht. Hier am Goetheplatz in München vermisst der Verein Green City ganz konkret, was viele Stadtbewohner täglich spüren: Wer bekommt eigentlich wie viel Platz auf unserer Straße?
Die Zahlen, die das Projekt „Straßencheck“ sammelt, sind ernüchternd. Oft beanspruchen Autofahrende und Parkplätze über 60 Prozent der öffentlichen Verkehrsfläche, während Fußgängerinnen und Fußgänger sich mit schmalen Gehwegen begnügen müssen. „Es geht um Gerechtigkeit“, sagt Janina Laube, während sie das Klemmbrett festhält. „Eine gerechte Stadt ist eine, in der sich alle sicher und willkommen fühlen – ob zu Fuß, auf dem Rad oder mit dem Rollator.“ München, die am dichtesten besiedelte Großstadt Deutschlands, steht hier vor einer ihrer größten Aufgaben.
Ich erinnere mich an Diskussionen im Stuttgarter Rathaus vor Jahren, wo ähnliche Fragen aufkamen. Damals ging es oft um Parkplätze. Heute, das spüre ich in den Gesprächen hier, geht es den Menschen um Lebensqualität. Eine Anwohnerin, die mit ihrem Kinderwagen am Rand des Geschehens steht, bringt es auf den Punkt: „Ich möchte nicht jedes Mal ein Hindernisspiel absolvieren, wenn ich einkaufen gehe.“ Ihr Zitat trifft den Kern. Es ist kein abstrakter Konflikt, sondern eine tägliche Erfahrung.
Die erhobenen Daten fließen in die Verkehrsplanung der Stadt ein. Ein langsamer, aber stetiger Wandel ist sichtbar: mehr Fahrradstreifen, verbreiterte Gehwege in einigen Vierteln, sogenannte „Kiezblocks“, die den Durchgangsverkehr beruhigen. Doch der Weg ist lang. Der politische Druck von verschiedenen Seiten ist hoch, und jeder umgewidmete Parkplatz wird zum Symbol eines größeren Kulturstreits.
Was bedeutet das für uns? Es ist mehr als eine Verkehrswende. Es ist die Frage, wem unsere Stadt gehört. Soll der öffentliche Raum in erster Linie dem fließenden und ruhenden Autoverkehr dienen oder dem Aufenthalt, der Begegnung, dem Spiel der Kinder? München muss diese Balance finden. Die Kreidestriche auf dem Asphalt sind nur der Anfang. Sie markieren die Messpunkte für eine Entscheidung, die darüber bestimmt, wie wir in Zukunft miteinander unterwegs sein wollen. Wer hat Vorrang – die Blechlawine oder das menschliche Miteinander? Die Antwort darauf wird das Gesicht unserer Stadt für Jahrzehnte prägen.
- Anwohnerfeedback
- Gerechte Raumnutzung
- Lebensqualität steigern
- Fahrradfreundliche Infrastruktur
- Öffentliches Wohlergehen
- Langfristige Verkehrsplanung
| Aspekt | Nutzen |
|---|---|
| Fahrradwege | Erhöhung der Sicherheit für Radfahrende |
| Gehwege | Verbesserung des Fußgängerverkehrs |
| Kiezblocks | Reduzierung des Durchgangsverkehrs |
| Parkplatzumwidmung | Raum für soziale Interaktion schaffen |
| Öffentlichkeitsbeteiligung | Einbindung der Bürger in die Planung |
| Messpunkte | Daten für die Verkehrsplanung sammeln |