In Berlin macht sich gerade eine besorgniserregende Entwicklung bemerkbar. Seit dem Wahlsieg der Linken vor einem Monat fragen mindestens 72 Polizeibeamte eine Versetzung aus der Hauptstadt an oder haben sie bereits beantragt. Das geht aus einer internen Umfrage der Länder hervor, über die „Focus Online“ berichtete. Im gesamten letzten Jahr waren es dagegen nur 22 Versetzungen gewesen. Für die Berliner Polizei ist das ein Warnsignal.
Die Mehrheit dieser Beamten, 58 an der Zahl, zieht es nach Baden-Württemberg. Zehn weitere favorisieren Bayern. Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei in Berlin, kommentiert die Zahlen nüchtern: „Wenn es Schule macht, haben wir ein Problem.“ Er rechnet vor: „Wenn das jedes Jahr passiert, ist personell in zwei Jahren ein Polizeiabschnitt in Berlin weg.” Hier in Berlin ist die Einsatzbelastung schon jetzt die höchste in Deutschland. Die Sorge der Kolleginnen und Kollegen nach der Wahl ist groß.
Die politischen Reaktionen aus anderen Bundesländern kamen prompt und warben offensiv um die Beamten. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel von der CDU warnte vor einer „linken Clan-Bürgermeisterin“ in Berlin. „Wer für Sicherheit, Freiheit und unseren Rechtsstaat einsteht, ist bei uns immer willkommen,“ sagte er. Ähnlich direkt warb Brandenburgs Innenminister Jan Redmann auf Instagram: „Du kommst aus Berlin […] und sorgst dich gerade um die politische Zukunft? Dann schau mal nach Brandenburg!“
- Die Mehrheit zieht nach Baden-Württemberg
- Zehn weitere favorisieren Bayern
- Alarmierende Zahlen für Berliner Polizei
- Politische Reaktionen aus anderen Bundesländern
- Warben offensiv um die Beamten
- Schwächung der Polizei hat nationale Auswirkungen
Das Wahlprogramm der Berliner Linken sieht vor, Polizeiarbeit „wo immer dies möglich ist“ durch soziale Arbeit zu ersetzen und den Personalbestand zu reduzieren. Es überrascht mich nicht, dass solche Ankündigungen bei denen, die täglich auf der Straße stehen, Verunsicherung auslösen. Aus meiner Berichterstattung in Baden-Württemberg weiß ich, wie sehr eine stabile Personaldecke das Vertrauen in die Sicherheitsarbeit prägt.
| Statistik | Letztes Jahr | Dieses Jahr |
|---|---|---|
| Versetzungen beantragt | 22 | 72 |
| Beamte nach Baden-Württemberg | N/A | 58 |
| Beamte nach Bayern | N/A | 10 |
Die Situation zeigt ein grundsätzliches Dilemma auf. Einerseits liegt die Polizeidichte in Berlin über der anderer Bundesländer, andererseits sind die hauptstadtspezifischen Herausforderungen enorm. Wenn nun erfahrene Kräfte gehen, trifft das nicht nur Berlin. Eine geschwächte Polizei in der Hauptstadt hat Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl im ganzen Land. Die Frage ist nun, ob sich der Trend verstetigt – oder ob Berlin es schafft, seinen Beamten wieder eine Perspektive zu bieten.