Fünf Tore in den ersten 20 Minuten, ein Platzverweis nach dem späten Ausgleich – das 100. Rheinderby zwischen Köln und Gladbach hatte alles, was ein emotionales Lokalduell braucht. Beim 3:3 in Müngersdorf zeigten beide Teams, warum Derby-Spiele ihre eigenen Gesetze haben. Für Köln bedeutet das Remis allerdings: Die Abstiegskrise bleibt akut.
Die Startphase war nichts für schwache Nerven. Jens Castrop brachte die Gäste bereits in der ersten Minute in Führung, schob locker durch die Beine von Kölns Keeper Marvin Schwäbe ein. Doch die Antwort kam prompt: Said El Mala glich nur drei Minuten später sehenswert aus, legte beim Jubel demonstrativ den Finger ans Ohr – eine Geste, die man wohl als Antwort auf die Kritik der vergangenen Wochen deuten darf. Weitere drei Minuten später brachte Ragnar Ache das Stadion zum Beben und drehte das Spiel. „Die Jungs geben ihr letztes Hemd», hatte Trainer Lukas Kwasniok vor der Partie gesagt, und genau das war in diesen wilden Anfangsminuten zu spüren.
Philipp Sander stellte für Gladbach den 2:2-Pausenstand her, bekam im Sechzehner viel zu viel Raum. Nach der Pause schien die Partie zu verflachen, bis Castrop aus 20 Metern traumhaft unter die Latte traf – sein zweiter Treffer gegen seinen Ex-Jugendverein. Der gebürtige Düsseldorfer, der von 2015 bis 2022 in der Kölner Jugend spielte, bejubelte beide Tore euphorisch. Doch Eric Martel rettete Köln in der 84. Minute noch einen Punkt, flog zwei Minuten später aber wegen wiederholten Foulspiels vom Platz.
Mit zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz bleibt die Situation für Köln angespannt. Sieben Spiele ohne Sieg – das ist keine Statistik, mit der man ruhig schläft. Für Kwasniok könnte der erkämpfte Punkt trotzdem entscheidend gewesen sein. „Ich stehe gerne im Wind – und ich bin nicht so leicht umzustoßen», sagte der 44-Jährige. Nach diesem Derby darf er das wohl noch eine Weile.