Wenn Sie im Dezember durch Stuttgart spazieren, begegnen Ihnen vielleicht Schauspieler, die mit Kopfhörern und Tablets unterwegs sind. Sie fragen Passanten nach ihren Ängsten und Hoffnungen. Ihre Stimmen werden gesammelt, gefiltert und von einer KI in neue Dialoge verwandelt. Das ist keine Science-Fiction, sondern Teil eines Experiments am Staatstheater. Ab dem 5. Dezember wird das Schauspiel Stuttgart für zwei Wochen zum „KI-Labor“. Das Haus öffnet seine Probenräume für Debatten, Performances und Workshops. Alle sind eingeladen, mitzumachen.
„Wir wollen verstehen, was diese Technologie mit unserer Kunst und unserer Gesellschaft macht“, sagt eine Dramaturgin des Hauses. Sie erzählt von der Unsicherheit im Ensemble. Einige Kollegen fürchten, dass KI irgendwann ihre Texte schreibt. Andere sehen eine Chance, neue Erzählformen zu finden. Diese Spannung ist spürbar. Sie treibt das Projekt an. Ich erinnere mich an frühere Debatten über digitale Medien im Theater. Die Fragen waren ähnlich: Verlieren wir die menschliche Begegnung? Doch diesmal geht es um mehr. Es geht um die Grundlagen von Kreativität und Identität.
Zur Eröffnung spricht der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar. Er wird die gesellschaftlichen Folgen der KI beleuchten. Parallel dazu läuft im Großen Haus eine bemerkenswerte Wiederaufnahme: Thomas Köcks Stück „KI essen Seele auf (ORPHEAI)“. Es handelt von Datenraub und Kontrolle. Die Inszenierung setzt auf eine überwältigende Bilderflut. Sie zeigt, wie sehr uns Algorithmen bereits umgeben. Das Stück wirkt wie ein künstlerisches Frühwarnsystem. Es macht abstrakte Gefahren konkret und fühlbar. Für mich als Berichterstatterin ist das entscheidend. Politik und Technikdebatten bleiben oft steril. Die Kunst aber kann die emotionalen Untertöne einfangen. Sie zeigt, was auf dem Spiel steht.
Das Labor bietet auch praktische Workshops an. Künstler und Techniker erklären, wie generative KI funktioniert. Sie laden das Publikum ein, selbst mit Sprachmodellen zu arbeiten. Die Idee ist einfach: Nur wer die Werkzeuge kennt, kann sie kritisch beurteilen. Hier in Baden-Württemberg, dem Heimatland von Erfindern und Tüftlern, passt dieser Ansatz gut. Wir sind neugierig. Wir wollen Dinge auseinandernehmen und verstehen.
Was bleibt am Ende? Vielleicht keine einfachen Antworten, aber ein klareres Gefühl für die Herausforderung. Das Theater verlässt seinen sicheren Raum und wagt ein Experiment. Es sucht den direkten Kontakt zu seinem Publikum in einer Zeit großer Verunsicherung. Das allein ist schon eine Botschaft. Vielleicht geht es am Ende gar nicht um die Frage, ob KI gut oder böse ist. Sondern darum, wie wir sie gemeinsam gestalten wollen. Das Schauspiel Stuttgart bietet im Dezember eine Bühne für genau dieses Gespräch. Sie sollten zuhören. Oder besser noch: mitreden.
- Wesentliche Aspekte des Experiments:
- Werden mit Passanten über ihre Ängste und Hoffnungen sprechen
- KI wandelt gesammelte Stimmen in Dialoge um
- Öffnung der Proberäume für Debatten und Workshops
- Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar spricht zur Eröffnung
- Thema der Stücke: Datenraub und Kontrolle
- Praktische Workshops zur generativen KI
| Datum | Veranstaltung | Ort |
|---|---|---|
| 5. Dezember | Eröffnung des KI-Labors | Schauspiel Stuttgart |
| 5. bis 19. Dezember | Workshops und Debatten | Schauspiel Stuttgart |
| X.X. Dezember | Sprache Modelle einsetzen | Baden-Württemberg |