Für die Menschen in Schleswig-Holstein sind sie unverzichtbar: die Busfahrerinnen und Busfahrer, die Tag für Tag zwischen Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster unterwegs sind. Rund 1.800 Beschäftigte sorgen dafür, dass Schüler zur Schule, Arbeitnehmer zur Arbeit und viele andere ans Ziel kommen. Jetzt stehen ihre Tarifverhandlungen still, und die erste Runde in Lübeck endete ergebnislos. Es geht um viel, nämlich um 6,5 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von nur einem Jahr.
Der Arbeitgeberverband KAV.SH hält diese Forderung der Gewerkschaft Verdi insgesamt für zu hoch. Besonders sticht ein anderer Punkt hervor: Verdi verlangt eine jährliche Sonderzahlung von 650 Euro – aber ausschließlich für ihre eigenen Mitglieder. „Das wäre satzungswidrig“, argumentiert Jan Jacobsen, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes. Sein Standpunkt ist klar: „Gleiches Geld für gleiche Arbeit ist aus unserer Sicht der faire und richtige Weg.” Man dürfe keine Zweiklassengesellschaft im Betrieb schaffen.
Auf der anderen Seite steht die Realität der Beschäftigten. Verdi-Verhandlungsführer Sascha Bähring bringt es auf den Punkt: In den vergangenen Jahren, mit all den Herausforderungen, hätten die Teams den Nahverkehr am Laufen gehalten. Diese Leistung, so argumentiert die Gewerkschaft, müsse endlich im Portemonnaie ankommen. „Wir wünschen uns für die nächste Verhandlungsrunde ein konkretes Angebot,” sagt Bähring nach der enttäuschenden ersten Verhandlung.
- Wertschätzung der Angestellten
- 6,5 Prozent mehr Geld
- Laufzeit von einem Jahr
- 650 Euro Sonderzahlung
- Keine Zweiklassengesellschaft
- Motivation der Mitarbeiter
Aus meiner langjährigen Beobachtung von Tarifgesprächen weiß ich: Oft geht es in solchen Momenten nicht nur um Prozentpunkte. Es geht um Wertschätzung. Die Forderung nach einer mitgliedergebundenen Sonderzahlung ist dabei ein heikles politisches Signal. Sie soll den Organisationsgrad der Gewerkschaft stärken, stößt bei Arbeitgebern aber regelmäßig auf juristische und prinzipielle Bedenken.
| Datum | Ort | Thema |
| 3. September | Kiel | Fortsetzung der Verhandlungen |
Die Frage wird sein, ob sich die Fronten etwas lockern. Für die Fahrgäste in Schleswig-Holstein bleibt zu hoffen, dass eine Lösung im Sinne der Beschäftigten gefunden wird – denn ein funktionierender Nahverkehr steht und fällt mit motivierten Menschen am Steuer. Ob der faire Lohn dann für alle gleich sein muss oder ob gewerkschaftliches Engagement einen extra Bonus verdient, ist eine Grundsatzfrage, die weit über diesen Tarifkonflikt hinausweist.