Am 13. Juli 2023 verschafften sich zehn Aktivisten Zugang zum Flughafengelände. Sie schnitten einen Zaun auf. Mehrere klebten sich nahe der Start- und Landebahnen fest. Fast vier Stunden lang stand der Flugverkehr still. 68 Flüge wurden gestrichen, 14 umgeleitet. Der Schaden: etwa 131.000 Euro für den Flughafen allein.
Der 21-jährige Angeklagte aus Berlin räumte die Vorwürfe unter Tränen ein. Er hatte sein Mathestudium für den Klimaaktivismus unterbrochen. „Die ersten Kipppunkte sind überschritten, die Gesellschaft hat versagt», sagte er vor Gericht. Seine Verzweiflung war spürbar.
Interessant ist die Reaktion der Justiz. Die Staatsanwältin zeigte Verständnis: „Es ist eine absolut nachvollziehbare Motivation.» Auch das Landgericht Hamburg würdigte das Anliegen als „unabdingbar für den Fortbestand unserer Gesellschaft». Trotzdem müssen die zehn Aktivisten über 400.000 Euro an Eurowings zahlen. Der Flughafen will noch mehr einklagen.
Ich habe in meiner Laufbahn viele Gerichtsprozesse begleitet. Selten erlebte ich eine solche Diskrepanz zwischen moralischer Anerkennung und finanzieller Härte. Die jungen Leute stehen nun vor dem Ruin.
Die „Letzte Generation» hat sich Anfang 2025 aufgelöst. Neue Bewegungen sind entstanden. Die Frage bleibt: Wie gehen wir als Gesellschaft mit Protest um, wenn wir seine Berechtigung anerkennen, aber seine Form ablehnen?